Freiheit nur für ihn
Hotels sind Durchgangsstationen. In Ihnen liegen Öffentlichkeit und Intimität, Komödie und Tragödie nur eine Handbreit voneinander entfernt. Wie bilanzierte Vicki Baum am Ende ihres Bestsellerromans «Menschen im Hotel» von 1929 so trefflich: «Glückseligkeiten und Katastrophen wohnen Wand an Wand.»
Was aber ist das Glück, was die Katastrophe für Don Giovanni? Floris Visser deutet es schon gleich zu Beginn seiner Karlsruher Neuinszenierung von Mozarts Meisterwerk an: Es ist im Grunde dasselbe.
Don Giovanni kniet, den nackten, geschundenen Oberkörper dem Publikum zugewandt, vor (s)einem Hotelbett, in dem zwei sehr offenherzige Damen ruhen, und geißelt sich mit einer Peitsche. Über der Schlafstatt ein großes weißes Kreuz, an der Wand eine Strichliste. Man darf annehmen, dass jeder Kick, jede Befriedigung einen neuen Strich generieren – eine moderne Auslegung des Registers, das sein Diener Leporello führt. Schmerz und Libido, Obsession und Autismus liegen in dieser Figur so nah beieinander wie die Räumlichkeiten des Hotels, in dessen Anonymität Don Giovanni dauerhaft logiert. Dieuweke van Reij hat ein Labyrinth aus Zimmern, Gängen, Foyers und einem Saal auf die Drehbühne gestellt – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Alexander Dick
Die drittletzte der insgesamt rund 70 Opern Gaetano Donizettis, von den Häusern um des Kassenstands willen oft gespielt und vom Publikum mit Blick auf einen launigen Opernabend heiß geliebt – «Don Pasquale» ist doch fürwahr ein einfältiges Stück. Ein Schwank mit simpler Musik, eine Operette, aber nicht so gut wie «Die Fledermaus». Doch Vorsicht, die Behauptung ist...
Griechische Nationaloper
Rund 620 Millionen Euro hat sich die Stiftung des Reeders Stavros Niarchos für ein 2016 eröffnetes Kulturzentrum am Stadtrand von Athen kosten lassen. Seitdem residiert dort die Griechische Nationaloper, die nun mit Bergs «Wozzeck» ihre Bemühungen um die klassische Moderne fortsetzt. Wir sind dabei
Zwischen den Feldern
Seine...
Welche Räume braucht das Musiktheater im 21. Jahrhundert? Eine Frage, die sich dringlich stellt, wenn marode Häuser mit großem Aufwand saniert und modernisiert werden müssen, etwa in Stuttgart, Frankfurt oder Karlsruhe. Auch am Nationaltheater Mannheim beherrschen bald Bauleute die Szene – in Absprache mit Künstlern und Beschäftigten, wie Geschäftsführer Marc...
