Frech kommt weiter
Wand an Wand, direkter geht Konkurrenz nicht in der Royal Arcade mit ihrem weißen, viktorianischen Holzstuckwerk. Links, bei «Rino and Company», bekommt es der Herr für 15 Pfund gemacht, die Dame – Waschen, Schneiden, Legen – für 28,99. Kein Mensch da, die beiden Friseurinnen schauen gelangweilt durchs Schaufenster nach draußen. Vielleicht, weil beim Kollegen rechts mit seinen dramatisch geweiteten Ohrläppchenlöchern einfach mehr geboten wird. Auf der Ledercouch beobachten die nächsten Kunden eine radikale Haupthaarrasur.
Es gibt «Electric Tattooing» und einen aufreizenden Firmennamen: «Keep the Faith». Das fünfte Bon-Jovi-Album könnte damit gemeint sein – oder das derzeitige Klima. Der Sturm lässt Schirme umklappen, es regnet quer. Da bewahrt man sich lieber den Glauben, wie Bon Jovi empfiehlt, in diesem Fall ans nächste Hoch, und geht entweder in eines der vielen heimeligen Arcadencafés oder eben zum Stylen. Oder (fünf Pfund, Samstagsangebot) zur Kopfmassage.
An Cardiff als Stadt der Friseure, daran hatte man nun weniger gedacht. Doch in fast jeder Arkade gibt es mindestens einen. Figaro hier, Figaro da: Wo also sollte eine solche Operntrilogie besser hinpassen als ins Millenium ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Markus Thiel
Eigentlich ist diese Partitur eine komponierte Frechheit. Wenn Isabella, die weibliche Hauptfigur, sich aufregt («Allegro molto feroce»), dann soll sie innerhalb kürzester Zeit mehr als zwanzigmal das hohe a singen, dazu noch das hohe b und das hohe h – ohne dass die Stimme sich dazwischen entspannen könnte, ohne melodisch zwingende Phrasen. Nicht einmal ein...
Im September 2013 fand in Winterthur eine Tagung zu Biografie und Schaffen von Walter Braunfels statt, deren Beiträge inzwischen gedruckt als Sonderband der Reihe Musik-Konzepte vorliegen. Warum Winterthur? Weil dort Werner Reinhart saß, Kaufmann und langjähriger Mäzen von Braunfels. Ihm und dem nicht ungetrübten, aber letztlich stabilen Verhältnis der beiden ist...
Mit ungeheurer Brutalität steigt Verdi in seinen «Otello» ein, mit Lärm statt Wohllaut: Donner, Blitz, sturmgepeitschtes Meer. Otellos Segelschiff steht kurz vor dem Kentern, die Leute im zyprischen Hafen sind panisch oder zynisch, wie Jago, der von Anbeginn die Fäden für den Untergang des venezianischen Generals und seiner Frau Desdemona spinnt.
Von äußerem...
