Frech kommt weiter
Wand an Wand, direkter geht Konkurrenz nicht in der Royal Arcade mit ihrem weißen, viktorianischen Holzstuckwerk. Links, bei «Rino and Company», bekommt es der Herr für 15 Pfund gemacht, die Dame – Waschen, Schneiden, Legen – für 28,99. Kein Mensch da, die beiden Friseurinnen schauen gelangweilt durchs Schaufenster nach draußen. Vielleicht, weil beim Kollegen rechts mit seinen dramatisch geweiteten Ohrläppchenlöchern einfach mehr geboten wird. Auf der Ledercouch beobachten die nächsten Kunden eine radikale Haupthaarrasur.
Es gibt «Electric Tattooing» und einen aufreizenden Firmennamen: «Keep the Faith». Das fünfte Bon-Jovi-Album könnte damit gemeint sein – oder das derzeitige Klima. Der Sturm lässt Schirme umklappen, es regnet quer. Da bewahrt man sich lieber den Glauben, wie Bon Jovi empfiehlt, in diesem Fall ans nächste Hoch, und geht entweder in eines der vielen heimeligen Arcadencafés oder eben zum Stylen. Oder (fünf Pfund, Samstagsangebot) zur Kopfmassage.
An Cardiff als Stadt der Friseure, daran hatte man nun weniger gedacht. Doch in fast jeder Arkade gibt es mindestens einen. Figaro hier, Figaro da: Wo also sollte eine solche Operntrilogie besser hinpassen als ins Millenium ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Markus Thiel
Liest man die Aufführungsstatistik des Deutschen Bühnenvereins – unter den 50 meistgespielten Opern ist keine einzige jüngeren Entstehungsdatums –, bestätigt sich die Binsenweisheit, dass es Zeitgenössisches im heutigen Musiktheater schwer hat. Tatsächlich aber machen viele Häuser durchaus ihre Hausaufgaben. Das gilt auch für die norddeutschen Bühnen. Ob Flensburg,...
Wenn der fabelhafte John Osborn als Rossinis Otello die Bühne des Theaters an der Wien betritt, stellen wir fest: Kein Blackface. Schwarzer Vollbart, Turban – aber nicht das (heute oft als rassistisch empfundene) schwarz geschminkte Gesicht, mit dem etwa der russisch-jüdisch-amerikanische Jazzsänger Al Jolson am Broadway reüssierte und das für Darsteller wie...
Zangezi» ist so etwas wie das Opus summum des russischen Futuristen Velimir Chlebnikov (1885-1922). Ein als Drama konzipierter, im Grunde aber epischer Text, in dem er die fundamentalen Themen seines Schreibens zur Synthese zu führen sucht: Der Prophet «Zangezi» ist ein Alter Ego des Autors, die ihm in den Mund gelegten Spekulationen – etwa über die nach...
