Foxtrott und Kunstpriesterliches
Bei Francis Poulenc spürt man, was das Kunstlied im Grunde ist: gesungene Literatur. Seine Mélodies greifen fast immer auf Verse höchsten Anspruchs und lebender Dichter (also der Surrealisten) zurück. Im Biotop Paris, wo jeder jeden kannte, war das auf persönliche Weise möglich. Sie sind, was Rimbaud von einer Kunst auf der Höhe der Zeit verlangte: absolut modern. Und sie dichten die Gedichte musikalisch weiter, ohne sie zu erklären.
Insofern ist es kühn, wenn der schottische Lied-Spezialist Malcolm Martineau und das Label Signum Classics in Zeiten, in denen Gedicht-Rezitationen nicht gerade «in» sind, eine neue Gesamtaufnahme seines Lied-Œuvres starten. Kühn auch, weil es eine authentische Gesamtaufnahme bei EMI gibt, an der Poulenc, seine Vertrauten (Pierre Bernac!) oder diejenigen, die noch in seiner Stiltradition standen, mitwirkten. Martineaus Poulenc bietet nun eine von historischer Patina freie «re-lecture».
Die ersten beiden Volumes wirken nervös, übereifrig, zuweilen auch zeigefingrig. Die schöne Natürlichkeit der Referenzaufnahme weicht permanentem Überdruck. Selbst die Nonchalance wird dick unterstrichen. Martineau nimmt die Sforzati immer einen Tick zu laut, die Tempi zu ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Medien | CDs, Seite 33
von Boris Kehrmann
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Frisch getäuscht ist halb gewonnen. Er wolle mit seiner letzten Arbeit an der Komischen Oper, so erklärt Andreas Homoki, keineswegs «demonstrativ an Felsenstein anknüpfen». Wer’s ihm glaubt! Die legendäre «Füchslein»-Inszenierung von Walter Felsenstein (1956 mit Irmgard Arnold) gilt bis heute als bedeutendster Ausdruck einer großen Ära. Eine Inkunabel des...
Seit vielen Jahren wird Verdis «Maskenball» vor allem als «politisches» Stück inszeniert. Doch dass in der (von der Zensur kassierten) Urfassung des Librettos der Schwedenkönig Gustav III. ermordet wird, ist für die Handlung eigentlich ohne Belang. In Dresden griff man nun auf die Fassung der Uraufführung (Rom, 1859) zurück, die das Geschehen nach Amerika verlegt....
