Flotte Artistik, beklemmende Seelenschau
Der französische Regisseur Laurent Pelly zeigt in seiner Amsterdamer Produktion von Prokofjews «Die Liebe zu den drei Orangen» aus dem Jahr 2005 Personen, deren Leben durch ein Kartenspiel bestimmt wird – jenes, mit dem die Hexe Fata Morgana und der Zauberer Tschélio zu Beginn um das Schicksal des Königreichs und des Prinzen pokern. Durch diese Grundkonstellation wirkt der Plot dieses subversiven Werks so raffiniert wie absurd. Pellys Inszenierung unterstreicht die Willkür der ganzen Handlung noch.
Zudem lässt das kongeniale Bühnenbild von Chantal Thomas – überdimensionale Spielkarten in jedem erdenklichen Arrangement und von mannigfaltiger Bühnenwirkung – das konsequent Antipsychologische, um das es Prokofjew ging, noch einmal programmatisch hervortreten: Die klischeehaften Protagonisten dieser Commedia-dell’arte-Adaption sind als Individuen völlig uninteressant. Wie die Spielkarten des Bühnenbilds scheinen sie außer der dem Publikum zugewandten Seite nur noch eine Rückseite zu besitzen, die bei allen gleich gemustert ist – alle Figuren stammen schließlich aus dem gleichen Kartenset, der gleichen Theater-Traumfabrik. Die DVD, die dies nun eingefangen hat, ist hervorragend ...
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Als wär’s ein von Magritte gemalter Meteorit, liegt inmitten der Puppenstuben-Idylle ein großer Stein, auf dem die Titelfigur thront – am Schreibtisch. Regisseur und Ausstatter Jürgen Rose hat dieses Bild der Isolation sinnig erdacht, doch szenisch glaubhaft wird es nicht. Denn das Zeichen für die Omnipräsenz des Briefdichters würde erst Sinn machen, wenn er...
Jubiläen haben ihr Gutes. Sie rufen vergessene oder beiseitegeschobene Komponisten in Erinnerung, befeuern die Wiederentdeckungsfantasie und fördern manchmal Werke ans Tageslicht, die zu Unrecht im Opernfundus verstauben. Das Jahr 2007 bietet Gelegenheit, bei einem Mann zu verweilen, der eigentlich nur durch eine einzige Arie bekannt geworden ist, die lange Zeit...
Zugegeben, es sieht gut aus, was Ausstatter Denis Krief auf die Bühne des Staatstheaters Karlsruhe wuchtet. Zugegeben, die Personenführung in der «Götterdämmerung» hat der Regisseur gleichen Namens am sorgfältigsten ausgearbeitet. Trotzdem wird man mit diesem «Ring» szenisch nicht glücklich. Natürlich stellt Krief optische Bezüge zu den vorhergehenden Teilen der...
