Explosion der Stille

Die Wiener Festwochen bringen Salvatore Sciarrinos «Luci mie traditrici» neu heraus – in Achim Freyers fantastischer Szenografie

Dunkeldüster endet «Luci mie traditrici». «Badet mich in Blut. Lebt wohl, ich werde für immer in Qualen leben», singt der Gattenmörder. Dennoch sind danach alle glücklich, Darsteller und Leitungsteam; Bravos sprühen wie Sterne, ein feuriges Feedback des Publikums in der Halle E des Museumsquartiers bei der Festwochen-Premiere der Oper von Salvatore Sciarrino. Da kommt uns Arnold Schönberg in die Quere.

Wir erinnern uns an den Satz aus einem Brief, den der Komponist 1931 an Heinrich Jalowetz schrieb: «Das Stück scheint zu gefallen; soll ich daraus Schlüsse auf seine Qualität ziehen? Ich meine: Es gefällt anscheinend dem Publikum.» Schönberg meinte seine «Begleitungsmusik zu einer Lichtspielscene», doch der Sarkasmus der Bemerkung steht für seine kritische Haltung gegenüber Popularität an sich. Jubel rief seinen Argwohn hervor.

Auch Sciarrino (geboren 1947 in Palermo) vermeidet das Gedränge, zielt nicht aufs Gefallen, schon gar nicht darauf, dass seine Musik auf der Straße gepfiffen wird. Umso überraschender und willkommener ist daher, dass «Luci mie traditrici/Die tödliche Blume», dieses seltsam spröde Werk, seit seiner Uraufführung 1998 in Schwetzingen auf eine ungewöhnlich ...

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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard Persché

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