Aus dem Leben eines Taugenichts
Ich habe einen Hang zur Faulheit. Meine neueste Lebensentscheidung kann man deshalb nur als Irrsinn bezeichnen. Ich geb jetzt nämlich auch den Regisseur. Warum denn nicht? Zwei wichtige Voraussetzungen bringe ich mindestens mit: eine ordentliche Portion Arroganz und ein schrilles Outfit für die Premiere.
Vorgestellt hatte ich mir das folgendermaßen: Inspirierende Treffen mit den Ausstattern, Wein in rauen Mengen. Inspirieren tue in der Hauptsache ich selbst, und zwar nach dem Motto: «Ich will dies!» oder «Ich will das!», und schon – Simsalabim! – krieg ich alles gebastelt.
In den Proben sitze ich mit meinem Kaffeebecher lässig am Regiepult. Ich brauche nur zwei, drei geistreiche Scherzchen zu machen, schon hat das Ensemble die Vision kapiert: Die Sänger stellen mir exakt die Show auf die Beine, die in meinem Kopf schon läuft. Und abends nach der Probe gehen wir alle richtig nett essen. Als Sänger passiert mir das praktisch nie. Aber jetzt, wo ich die Dinge selbst in der Hand habe ...!
Tja, da war ich schief gewickelt.
Inzwischen hat sich rausgestellt, dass meine Ausstatter keineswegs ihr ganzes Leben nach mir richten und nach meinen Geistesblitzen schmachten. Die haben allen Ernstes ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Mal ehrlich, Seite 69
von Christopher Gillett
Der Mannheimer Literatur- und Medienwissenschaftler Jochen Hörisch hat ein Buch geschrieben, das das Richard-Wagner-Jubel-Jahr 2013 geziert hätte. Indirekt entlarvt es im Nachhinein viele der kalkuliert zum 200. Geburtstag entstandenen Publikationen als Schnellschüsse, als muskelschlaffe biografische Klimmzüge: Wagners Frauen, Wagner als Revoluzzer, Wagner «Mit den...
«Begeisterung»? Zu wenig. Auch mit «Fanatismus, Enthusiasmus» komme man nicht weiter. Der Neffe versicherte dem Onkel, «dass keiner dieser Begriffe das Entzücken ausdrücken kann, das diese Musik erregt hat». Nun dürfte der Neffe nicht sonderlich objektiv gewesen sein: Vincenzo Bellini selbst war der Absender, und der Brief kreiste um seine gerade uraufgeführte Oper...
Es war ein Sängerfest, als sich 2011 fünf Countertenöre – Philippe Jaroussky, Max Emanuel Cencic, Franco Fagioli, Valer Sabadus und Yuriy Mynenko – erst im Aufnahmestudio, dann auf der Bühne und schließlich für eine Tournee zusammenfanden, um Leonardo Vincis letzte, 1730 in Rom uraufgeführte Oper «Artaserse» nach über zweihundertjährigem Archivschlaf...
