Es gibt keinen Weg zurück
Am Anfang die Dunkelheit. Und ein Klang, der raunend durch den Saal kreist und von dem man zunächst nicht weiß, woher er stammt. Man spürt nur, dass damit eine Atmosphäre der unheilvollen Ahnung heraufbeschworen wird. Wer den Roman «De Bekeerlinge» (zu deutsch: «Die Fremde») von Stefan Hertmans gelesen hat, der Krystian Lada als Grundlage für sein Libretto diente, weiß natürlich schon zu diesem frühen Zeitpunkt, dass die Ahnung keineswegs trügt. Diese Geschichte einer verunglückten Konversion (oder sollte man sagen: Assimilation?) ist durch und durch von Tragik durchglüht.
Und sie zeigt, nicht zum ersten Mal, dass der französische Philosoph Paul Ricœur vermutlich doch sehr nahe bei der Wahrheit lag, als er die Religion eine «ontologische Psychose» nannte.
Drei Stunden lang werden wir in der Opera Vlaanderen in Antwerpen – bei der Uraufführung von «De Bekeerlinge» («The Convert») – Zeuge einer solchen Psychose. Die Musik dazu hat Wim Henderickx komponiert; es ist eine Musik, die sehr gut auch als Soundtrack zu einem Psychothriller taugen würde in ihrer filmmusikalischraunenden Attitüde. Finster grundiert, folgt sie dem Prinzip der akkumulativen Verdichtung gänzlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Jürgen Otten
Das Glück? Gleicht ein bisschen dem Mond. Allzu selten erscheint es in vollem Glanze, und dann auch nur für Augenblicke, bevor es wieder abnimmt, Stück für Stück, und schließlich wie von Geisterhand verschwunden ist, im Irgendwo, dort also, wo man es nicht findet, selbst wenn man sich auf die Suche danach begibt. Für Jenůfa ist diese Abwesenheit von Glück der...
Benjamin Bernheim, der neue französische Tenorstar, widmet sein zweites Recital dem «Boulevard des Italiens». In Paris mit einer französischen Oper zu reüssieren, war seit den frühen 1770er-Jahren das Wunschziel jedes italienischen Komponisten. Die von Verdi sarkastisch als «grande boutique» apostrophierte Opéra geriet unter italienischen Einfluss, zugleich änderte...
Den nationalen Theaterpreis «Goldene Maske» öffentlich zu verleihen, wie es bislang 28 Mal üblich war, ist in Krisenzeiten ein Ding der Unmöglichkeit. Man weiß in Russland um die starken emotionalen Reaktionen der Theatermacher und kann sich ausmalen, wie sie bei ihren Bühnenauftritten in der einen oder anderen Form ihren Protest gegen den Krieg zum Ausdruck...
