Erlaubt ist, was gerät
Das war einmal verpönt. Zu Zeiten des ästhetischen Diktats der seriellen Berufsavantgardisten sah sich alles, was irgendwie nach Literaturoper roch, verschärfter Strafandrohung ausgesetzt. Die Postmoderne steht dem wieder aufgeschlossener gegenüber. Erlaubt ist, was gerät. Und zumindest in weiten Teilen geraten ist, was Andrea Lorenzo Scartazzini, Jahrgang 1971, im Auftrag des Theaters seiner Heimatstadt Basel schrieb. Seine zweite Oper «Der Sandmann» folgt «Motiven der gleichnamigen Erzählung von E. T. A. Hoffmann».
Das Libretto verfertigte der Schriftsteller und Dramaturg Thomas Jonigk.
Ein Schriftsteller verfällt einer jungen Frau, die nur eine Puppe ist, ein Automat. Kennen wir doch!, sind sich alle Operngänger einig. Sie denken natürlich an Olympia in «Hoffmanns Erzählungen», der indes der Dichter selbst zu Füßen lag. Im «Sandmann» ist’s wie in der zugrunde liegenden schwarzromantischen Erzählung allerdings der Schriftsteller Nathanael. Das bekennende Romantikerduo Scartazzini/Jonigk erzählt linear, der Reihe nach. Im Mittelpunkt stehen das krisenreiche Leben und Sterben jenes Nathanael, der eher der Spezies des Möchtegern-Autors zuzuordnen ist und sich bei einer Lesung – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Heinz W. Koch
«Die deutsche Sopranistin Anne Schwanewilms zählt zu den größten Strauss- und Wagner-Interpretinnen der heutigen Zeit» – so tönt es nicht nur im Booklet des «Orfeo»-Recitals, das die «Vier letzten Lieder» von Strauss mit Auszügen aus einigen seiner Opern verbindet, sondern auch auf der Home-page der Sängerin. Solche Superlative gehören heute zum Musik-Business,...
Das ist das Faszinierende an Franz Schreker: wie er in seinem «Fernen Klang» die Handlung und ihr Transportmittel eins werden lässt. Präziser: Die Musik befördert das Geschehen und ist zugleich sein Gegenstand. Das setzt sich bei der ersten französischen Inszenierung überhaupt an der elsässischen Opéra national du Rhin fort: Marko Letonja lässt in seiner ersten...
Die Welt als Wunsch und Vorstellung – Hans Christian Andersen glaubte nicht, dass sie die beste aller möglichen Welten sei. Die Sehnsucht, ein anderer zu sein, an anderem Ort, in anderer Zeit, war ihm suspekt. Ein fabelhaftes Zeugnis dieser Skepsis ist das Märchen «Galoschen des Glücks». Eine Fee bringt die verzauberten Überzieher unter die Leute, wer sie trägt...
