Elegie für Verbliebene
Endlich. Endlich hat sich einer getraut, die gigantische Leere der Bochumer Jahrhunderthalle für sich sprechen zu lassen. Bei Christoph Marthaler ist der Riesenraum nicht spektakuläre Location, schon gar nicht schrundige Hülle für wilden Kulissenzauber. Sondern ein Protagonist sui generis. Ein schlafendes Ungeheuer, in dessen Bauch aus Stein, Glas und Stahl ein ganzer Kosmos Platz findet. (S)eine Welt melancholischer Vergeblichkeit.
Der ideale Ort mithin, um einen wahnwitzigen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, der schon lange glüht: die unvollendete «Universe Symphony» von Charles Ives ins Bild zu setzen. Nur wenige Teile der Partitur sind ausgeschrieben, der Rest blieb in Notizen und Skizzen geronnene Vision. Zu wenig für eine abendfüllende Kreation. Also erweiterte Marthaler das Material gemeinsam mit dem Dirigenten Titus Engel um andere Werke aus dem Ives-Fundus zu einem formidablen Klangparcours für 150 Musiker, zwölf Darsteller – und zwei schräge Solo-Pianisten (Bendix Dethleffsen, Michael Wilhelmi), die sich, um einen Viertelton verschoben, bizarre Gefechte an den Tasten liefern.
Ja, es ist wie immer, wenn der Schweizer Großmeister des poetisch tieflotenden Slapsticks ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Albrecht Thiemann
Dirigententreffen
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Sie meinen es wirklich ernst in Halle mit dem Versuch, sowohl dem Publikum als auch den Künstlern die Wahrnehmungs- und Erfahrungsgewohnheiten der Oper radikal zu öffnen. Nach «Heterotopia» in der Spielzeit 2016/17 hat Sebastian Hannak erneut eine Raumbühne ins gediegen-prächtige Opernhaus gewuchtet, die die Grenzen von Zuschauerraum und Bühne aufhebt. «Babylon»...
