Ein Spiel - aber kein gutes
Im «Peking» ist die Hölle los. Die gleichnamige Stadt aus Puccinis Oper hat sich in ein Casino irgendwo in den Vereinigten Staaten von Amerika verwandelt. Plastikjetons fliegen durch die Luft, Geldscheine wechseln im Eiltempo den Besitzer oder die Besitzerin, Anzüglichkeiten vieler Arten machen die schlüpfrige Runde. Ein Hauch von Las Vegas und seinem fragwürdigen Schillern, verbunden mit dem Schmutz der Schlachthinterhöfe, macht sich breit, Lust, Liebe und Leid liegen hier unausweichlich nebeneinander. «Turandot» einmal anders. Ganz anders.
Verantwortlich dafür zeichnet – in Personalunion als Regisseur und sein eigener Ausstatter – Gianluca Falaschi, der sich in einem Akt kühner kultureller Aneignung fast sämtlicher Exotismen entledigt hat und nun ein Stück über das Leben und den Tod zeigt, sowie über die Frivolitäten, die in beiden Bereichen an der Tagesordnung sind. Alles hier ist flüchtig, selbst die Brutalität. Jene Prinzen, die in der Original-Oper noch anreisten, um die Gunst der Eisprinzessin zu gewinnen, sind auch nicht mehr als verrohte Verlierer à la Nicholas Cage in Mike Figgis’ Film «Leaving Las Vegas», denen hier aber bald schon der Kopf abgeschlagen wird, weil sie ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Jürgen Otten
Es ist nicht mehr als ein Wort, ein Wörtchen nur – der winzige Seufzer «Ah!». Was Camille Saint-Saëns daraus aber macht in der Vokalise «Le Rossignol et la rose» aus seiner weithin unbekannten Bühnenmusik zu Jane Dieulafoys Schauspiel «Parysatis», weist ihn als ingeniösen Komponisten aus. Wie auf einer Wolkenbank schwebt die Stimme der Nachtigall, von...
Selbst Ungläubigen muss der Begriff des Heiligen Geists in den Sinn kommen, wenn siebzig Minuten vor der Uraufführung einer Oper über den heiligen Franziskus auf dem Ulmer Bahnhofsvorplatz von St. Michael zu den Wengen und St. Georg herüber plötzlich Freudengeläut zu vernehmen ist. An diesem 8. Mai bedeutet das nichts anderes, als dass im fernen Rom ein Nachfolger...
Epochenumbrüche gehen mit brutalen Verwerfungen einher. Der zwischen Antike und Mittelalter liefert hierfür ein Paradebeispiel. Das Römerreich fällt unter dem Ansturm von Völkern jenseits seiner Grenzen, angeführt etwa von Hunnenkönig Attila. Doch billigt ihm der Regisseur Leo Muscato als Einziger der Hauptfiguren in Verdis 1846 an La Fenice uraufgeführtem Frühwerk...
