Ein Kind der Natur
Seit 70 Jahren verwandelt sich das beschauliche Bergen für zwei Wochen in einen brodelnden Schmelztiegel aus Kunst, Kultur, Musik, Theater und Tanz. Bei der Jubiläumsausgabe des Bergen International Festival stand jetzt die Sopranistin Lise Davidsen im Mittelpunkt: mit ihrem Rollendebüt als Tosca und als Artist in Residence.
Für eine konzertante Opernaufführung ist die Grieghalle im Herzen der Stadt nachgerade perfekt: Die rund 1500 Plätze «blicken» gleichsam kinosaalartig auf das Bergen Filharmoniske Orkester hinab.
Der Saal besticht vor allem durch seine klare, kompakte Akustik. Das Orchester klingt hautnah, jede Nuancierung wird deutlich, nichts fasert aus. Edward Gardner verausgabt sich am Pult regelrecht, um die in der Partitur enthaltenen Emotionen griffig herauszuarbeiten. Das gelingt dem Dirigenten mit Grandezza, obwohl er mehr auf sein Orchester als auf die Sängerinnen und Sänger fokussiert zu sein scheint. Auch wenn es eine konzertante Produktion ist, hat man sich dafür entschieden, szenische Elemente einzubauen. Das vermindert die Steifheit, ermöglicht bisweilen mehr Tiefe und Dimension, birgt aber immer wieder die Gefahr unfreiwilliger Komik, eines unentschiedenen ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Katharina Stark
Ein Ast wird abgesägt, fällt raschelnd vor dem Vorhang nieder, noch bevor die Pauken und Fagotte der Dortmunder Philharmoniker in Mimes Höhle entführen. So war es bereits im vergangenen Jahr bei der «Walküre» an der Oper Dortmund, so könnte es werden im kommenden Jahr beim «Rheingold». Die Weltesche ist immer schon angetastet, das Verhältnis des Menschen zur Natur...
Nadia Boulanger, die von 1887 bis 1979 lebte, ist eine zentrale Figur der Musik der Moderne – und dennoch sowohl als Mensch wie als Künstlerin nur sehr schwer fassbar. «Sie ist die Musik in Person», sagte Paul Valéry einmal über sie und fügte hinzu: «Die Musik krönte sich für sie stets mit Intelligenz.» Von ihrem Wirken als Komponistin zeugen zahlreiche Werke aus...
Eigentlich war, sieht man von den Wolken ab, die mürrisch über dem Festspielhaus kreisten und einen missmutigen Blick auf Arno Brekers frisch eingeweihte Wagner-Büste warfen, vieles wie immer an diesem 16. August 1955 in Bayreuth. Auf dem Programm stand Wieland Wagners «Parsifal»-Inszenierung, die ihre Premiere vier Jahre zuvor, bei den ersten Bayreuther...
