Ein Kind der Natur
Seit 70 Jahren verwandelt sich das beschauliche Bergen für zwei Wochen in einen brodelnden Schmelztiegel aus Kunst, Kultur, Musik, Theater und Tanz. Bei der Jubiläumsausgabe des Bergen International Festival stand jetzt die Sopranistin Lise Davidsen im Mittelpunkt: mit ihrem Rollendebüt als Tosca und als Artist in Residence.
Für eine konzertante Opernaufführung ist die Grieghalle im Herzen der Stadt nachgerade perfekt: Die rund 1500 Plätze «blicken» gleichsam kinosaalartig auf das Bergen Filharmoniske Orkester hinab.
Der Saal besticht vor allem durch seine klare, kompakte Akustik. Das Orchester klingt hautnah, jede Nuancierung wird deutlich, nichts fasert aus. Edward Gardner verausgabt sich am Pult regelrecht, um die in der Partitur enthaltenen Emotionen griffig herauszuarbeiten. Das gelingt dem Dirigenten mit Grandezza, obwohl er mehr auf sein Orchester als auf die Sängerinnen und Sänger fokussiert zu sein scheint. Auch wenn es eine konzertante Produktion ist, hat man sich dafür entschieden, szenische Elemente einzubauen. Das vermindert die Steifheit, ermöglicht bisweilen mehr Tiefe und Dimension, birgt aber immer wieder die Gefahr unfreiwilliger Komik, eines unentschiedenen ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Katharina Stark
Als US-Präsident Richard Nixon 1972 nach China reiste und eine lange Eiszeit zwischen beiden Staaten mindestens kräftig erwärmte, besuchten er und seine Gattin Pat unter anderem eine Vorführung in einer Turnhalle. Das kommunistische Land und sein «Überragender Führer» Mao Tse-tung wollten die amerikanischen Gäste auch mit einer Leistungsschau in Sachen Gymnastik,...
Frische, der Duft der Rose, die Stimme der Nachtigall, der Flügelschlag des Schmetterlings – das seien die Qualitäten von Jules Massenets Musik, schreibt Camille Saint-Saëns nicht ohne subtile Ranküne über die im Dezember 1881 im Brüsseler Théâtre de la Monnaie uraufgeführte «Hérodiade» seines Konkurrenten um die Gunst des Belle-Époque-Publikums. Der schmachtende,...
Erinnern wir uns. Erinnern wir uns an jene fernen Zeiten, da Verträge in der Welt der Musik noch abgeschlossen wurden, weil die Unterzeichnenden damit eine Verpflichtung verbanden, im besten Fall sogar Visionen. Ein Vertrag, das war vor allem ein Bündnis, das man schmiedete, weil man «Großes» vorhatte – gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern im Graben oder...
