Ein Kind der Natur
Seit 70 Jahren verwandelt sich das beschauliche Bergen für zwei Wochen in einen brodelnden Schmelztiegel aus Kunst, Kultur, Musik, Theater und Tanz. Bei der Jubiläumsausgabe des Bergen International Festival stand jetzt die Sopranistin Lise Davidsen im Mittelpunkt: mit ihrem Rollendebüt als Tosca und als Artist in Residence.
Für eine konzertante Opernaufführung ist die Grieghalle im Herzen der Stadt nachgerade perfekt: Die rund 1500 Plätze «blicken» gleichsam kinosaalartig auf das Bergen Filharmoniske Orkester hinab.
Der Saal besticht vor allem durch seine klare, kompakte Akustik. Das Orchester klingt hautnah, jede Nuancierung wird deutlich, nichts fasert aus. Edward Gardner verausgabt sich am Pult regelrecht, um die in der Partitur enthaltenen Emotionen griffig herauszuarbeiten. Das gelingt dem Dirigenten mit Grandezza, obwohl er mehr auf sein Orchester als auf die Sängerinnen und Sänger fokussiert zu sein scheint. Auch wenn es eine konzertante Produktion ist, hat man sich dafür entschieden, szenische Elemente einzubauen. Das vermindert die Steifheit, ermöglicht bisweilen mehr Tiefe und Dimension, birgt aber immer wieder die Gefahr unfreiwilliger Komik, eines unentschiedenen ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Katharina Stark
Siebzig Minuten lang wird auf der Bühne geknüpft und geknotet. Meterlange Stoffbahnen fallen aus dem Schnürboden herab, von rasselnden Ketten gehalten. Die Darsteller weben und wickeln sie zu einem flammend roten Netzwerk, das die gesamte Bühne in schrägen, asymmetrischen Linien überzieht. Bei der szenischen Uraufführung der Vokalsymphonie «The Prison» von Ethel...
Kaija Saariaho kam am 14. Oktober 1952 in Helsinki zur Welt. Wie alle später europa- und weltweit bekannt gewordenen Musikerinnen und Musiker Finnlands studierte sie an der Sibelius-Akademie ihrer Geburtsstadt (in ihrem Fall: Komposition). Doch von dem konservativen Klima in der gerühmten Akademie war die junge Saariaho ganz und gar nicht begeistert. Deshalb...
Welch süße Freude, Göttin / entzündest du in unserer Brust. / Konnte der gütige Himmel mehr für uns tun? / Welch süße Freude, Göttin!» Einander nachsingend, dann gleichzeitig ihre Stimmen ineinanderschlingend danken die jungen Liebenden Hyllo und Iole am Schluss von Antonia Bembos «L’Ercole Amante» der Göttin Giunone für das gute Ende einer ungut begonnenen...
