Ein Abschied, ein Abgesang
Das schrägste, schmierigste, schaurig-schönste Faktotum dieser «Erzählungen» ist der schlaksige Weißkittel, Doktor Spalanzani. Irgendwo treibt er sich immer herum auf der Bühne des Teatro Real. Manchmal schiebt er eine abgedeckte Leiche quer durch die ranzige Halle, in deren Mitte Aktmodelle für ergraute Eleven posieren, die mit dem Kohlestift die Zeit totschlagen. Dann hat er ein paar Gliedmaßen unter den Arm geklemmt, schlurft neckisch grinsend auf eine Tür zu, hinter der sich offenbar seine anatomische Wunderkammer verbirgt.
Gleich zu Beginn führt der Doktor eine krude, abgedrehte «Hoffmann»-Entourage durch Anna Viebrocks tristen Kunstraum, lahmendes Touristenpack, das nichts mehr aus der Bahn des Immergleichen werfen kann. Spalanzani ist der Zeremonienmeister in Christoph Marthalers routiniert-rätselhaftem Offenbach-Absurdistan, ein clownesker Feinmechaniker des Vergeblichen, der nicht nur die Puppe Olympia zum Singen bringt, sondern die ganze Chose – via Fernbedienung – in Gang hält.
Graham Valentine erledigt diese Aufgabe famos: ein diabolisch auflachender Connaisseur, der mit hämischer (Schaden-)Freude und knarrender, whiskeyrauer Stimme Rezitative und Couplets durchpflügt. ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Albrecht Thiemann
Drei Jahrzehnte waren ihr zunächst vergönnt. Beginnend mit der Uraufführung im April 1801 zur Eröffnung des Teatro Nuovo in Triest, dem heutigen Teatro Verdi, bis zu einer noch verbuchten Produktion in Palermo anno 1831. Dann sah es lange düster aus für «Ginevra di Scozia» von Simon Mayr. Für den dreistündigen Zweiakter bediente sich der bayrisch-italienische...
Haben Sie sich die Zeit nach Ihrer Intendanz so vorgestellt?
Nee. Jedenfalls nicht so arbeitsreich. Ich hatte schon gehofft, etwas mehr Freizeit zu haben und das Zuhause genießen zu können. Ich bin fast genauso viel auf Reisen wie zu Sängerzeiten.
Man könnte sich auch dagegen entscheiden.
Ja, das stimmt wohl. Aber wenn man im Alter noch so gefragt ist, ist das schon...
Hübsch ist der Tod. Sexy, ob im Pailletten-Fummel oder im Weißkittel als Dottoressa Mirakel. Vor allem aber: Er ist die heiße Affäre jenes Mannes, der nun aus dem Schattenreich zurückkommt – und vielleicht, wenn die Liebe der im Diesseits verbliebenen Mutter oder seiner Gattin stark genug ist, wieder unter die Lebenden darf. Ein Mann, drei Frauen, man ahnt es...
