Ein Abschied, ein Abgesang

Offenbach: Les Contes d’Hoffmann Madrid / Teatro Real

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Das schrägste, schmierigste, schaurig-schönste Faktotum dieser «Erzählungen» ist der schlaksige Weißkittel, Doktor Spalanzani. Irgendwo treibt er sich immer herum auf der Bühne des Teatro Real. Manchmal schiebt er eine abgedeckte Leiche quer durch die ranzige Halle, in deren Mitte Aktmodelle für ergraute Eleven posieren, die mit dem Kohlestift die Zeit totschlagen. Dann hat er ein paar Gliedmaßen unter den Arm geklemmt, schlurft neckisch grinsend auf eine Tür zu, hinter der sich offenbar seine anatomische Wunderkammer verbirgt.

Gleich zu Beginn führt der Doktor eine krude, abgedrehte «Hoffmann»-Entourage durch Anna Viebrocks tristen Kunstraum, lahmendes Touristenpack, das nichts mehr aus der Bahn des Immergleichen werfen kann. Spalanzani ist der Zeremonienmeister in Christoph Marthalers routiniert-rätselhaftem Offenbach-Absurdistan, ein clownesker Feinmechaniker des Vergeblichen, der nicht nur die Puppe Olympia zum Singen bringt, sondern die ganze Chose – via Fernbedienung – in Gang hält.

Graham Valentine erledigt diese Aufgabe famos: ein diabolisch auflachender Connaisseur, der mit hämischer (Schaden-)Freude und knarrender, whiskeyrauer Stimme Rezitative und Couplets durchpflügt. ...

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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Albrecht Thiemann

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