Edle Einfalt, wenig Größe
Eine Gemeinschaftsproduktion von Oper und Ballett. Für Christian Spuck, den renommierten Hauschoreografen des Stuttgarter Balletts, ist der Weg des Orpheus, wie ihn Glucks Musik erzählt, eine Jenseitsreise, eine Initiation, die den thrakischen Sänger bei seinem Versuch, seine tote Geliebte wiederzugewinnen, über die Erde hinaus in die Unterwelt und ins Elysium führt. Das gedankliche Konstrukt einer traumhaft-surrealen Deutung, das der Aufführung zugrunde liegt, trägt deutlich die Handschrift des Dramaturgen Sergio Morabito.
Aber auch hier gilt: Die Qualität des Essens beweist sich, wenn es auf den Tisch kommt, mag sich das Rezept noch so überzeugend lesen.
Und hier hapert es in Stuttgart. Das beginnt beim Bühnenbild von Christian Schmidt, einem weiß gekalkten, heruntergekommenen Ballsaal, der nach hinten mit einer kleinen Bühne abschließt – ein praktikabler Raum, aber anders als die Räume Anna Viebrocks, die hier Pate standen, ohne jedes Geheimnis. Von des Gedankens Blässe angekränkelt bleibt auch Spucks Regie. Zwar lockert er die Chor-Tableaus immer wieder geschickt mit Aktionen auf, kann aber je länger der Abend dauert desto weniger verbergen, dass eine psychologische ...
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