Editorial Opernwelt 1/25
Ein Gespenst geht um in deutschen Landen. Keine Angst, es ist nicht der Kapitalismus, der hat seine Maske längst abgestreift und herrscht unumschränkt. Nein, es ist ein anderes Ungeheuer, das vielen Kulturschaffenden die blanke Angst in die Mienen malt, es trägt den Namen Sanierung. Zahlreiche Opernhäuser müssen dringend ausgebessert, wenn nicht gar neu gebaut werden, damit das unmögliche Kunstwerk weiterhin wirklich ist. Aber genau an dieser Stelle wird es schwierig.
Übersteigen schon die ursprünglich veranschlagten Kosten das Normalmaß, geschieht es inzwischen nicht eben selten, dass im weiteren Verlauf der Diskussionen um das Wann, Wie und Wo (und manchmal sogar Warum) plötzlich Zahlen aus dem Himmel herabregnen, die man, ohne rot zu werden, mit dem Begriff «utopisch» bezeichnen kann. Die Geschichte der Kölner Oper am Offenbachplatz ist nur ein weithin «leuchtendes» Beispiel für diese fortlaufende Malaise. Nun hat es auch die Staatsoper Stuttgart erwischt. Das neoklassizistische Gebäude, 1912 vom Architekten Max Littmann ersonnen und erbaut, ist nicht erst seit gestern marode: Löcher im Kupferdach, durch die der Regen tropft (und vergessen wir nicht, wie vor drei Jahren ein ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Nicht, dass es in den zwei Jahrzehnten zuvor schlecht gelaufen wäre, keineswegs. Immerhin wurde während der Intendanz von Eric Vigié der hochmoderne Anbau, mit dem die Opéra de Lausanne eine eigene Produktionsstätte erhielt, seiner Funktion übergeben. Doch mit der Ankunft von Claude Cortese, dem neuen Intendanten der Opéra de Lausanne, hat jetzt auch künstlerisch...
Wie die meisten seiner italienischen Kollegen hat Johann Adolf Hasse nicht nur Opern, sondern auch geistliche Musik in beträcht -lichem Umfang komponiert. Fast ein halbes Jahrhundert lang stand der in Italien als «divino Sassone» verehrte Komponist in Verbindung mit dem Ospedale degli Incurabuli in Venedig, einem Waisenhaus für Mädchen und junge Frauen, die in...
Wie der Tag des Jüngsten Gerichts klingen könnte? Er könnte so klingen wie in der Motette «In furore iustissimae irae» von Antonio Vivaldi: herb, heftig, markerschütternd. Gleich die erste Arie lässt – aus gegebenem Anlass für Altstimme transponiert – keinen Zweifel daran: Gott zürnt dem Menschen, weil dieser ein Sünder ist, der sich einfach nicht bessern will. Und...
