Editorial
Oper, so besagt eine schöne und deshalb viel benutzte Formel von Alexander Kluge, ist ein «Kraftwerk der Gefühle». Das Schönste an dieser Formel ist, dass sie das Moment des Aktiven hervorhebt. Oper frisst nicht nur Gefühle, sie wälzt sie auch um und vor allem: Sie produziert sie. Kurz, es geht um einen Energiekreislauf, für dessen Funktionieren allerdings jeder Theatermacher wie Theaterbesucher selbst verantwortlich ist. In Zeiten, in denen statt des Kraftwerks häufig (nur) ein Kraftakt funktioniert, ist dieser Zusatz nicht ganz überflüssig.
Früher war es ein netter Gag, als Birgit Nilsson auf die Frage, was sie denn zur Bewältigung ihrer Elektras und Brünnhilden benötige, antwortete: ein paar bequeme Schuhe. Damals erschien man noch mit Krawatte und Kleid auf der Probebühne, und Nilsson meinte natürlich, dass keine Riesenpartie ihrer Riesenstimme etwas anhaben könne. Lorin Maazel hat die Antwort später aufgegriffen, als er gefragt wurde, was für ihn wichtig sei an dem Tag, an dem er in London alle Beethoven-Symphonien dirigierte. Und Franz Mazura hätte sie ebenfalls aufgreifen können, als er in einem Mannheimer «Parsifal» Gurnemanz und Klingsor an einem Abend sang.
Schwerstarbe ...
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