Durch die Wüste
Zwei musiktheatralische Kurztrips durch die Wüste: Die Uraufführung «A Wintery Spring» des in Deutschland eingebürgerten jordanischen Komponisten Saed Haddad und die eine mosaische Überlieferung behandelnde Karfreitagskantate «Il serpente di bronzo» (1730) des lange in Dresden tätigen böhmischen Barockkomponisten Jan Dismas Zelenka. Dem extravaganten Duo diente im Bockenheimer Depot ein schlichtes gemeinsames Bühnenbild, nämlich Stephanie Rauchs gelblich-wüstenartiges Podest, über das für Zelenkas Stück nur noch ein schräger Laufsteg gezogen wurde.
Beide Werke sind zudem durch ihren ausgeprägten Klagegestus miteinander verwandt. Haddad (Jahrgang 1972) sieht in seinem dreiviertelstündigen «dramatischen Lamento» vor allem die frostigen Seiten des «arabischen Frühlings», das Verharren der vorderasiatischen Heimatvölker in unzeitgemäßen Denkweisen mit archaischen Männlichkeitsbildern. Hinzu kommt die Trauer des Exilierten um die verlorene Heimat, auch das Gefühl, als Künstler nicht helfen zu können. Und das Paradox, trotz sichtlicher Ohnmacht sich auch aus der Ferne engagieren zu müssen. Haddad tut das – in englischer und arabischer Sprache – auf der Basis deklamatorisch-visionärer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2018
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Hans-Klaus Jungheinrich
Einzelarien aus dem umfangreichen Opernschaffen Nicola Porporas fehlen auf kaum einem Album mit Werken aus der Kastraten-Ära. Umso neugieriger durfte man sein, ob und wie Porporas Musik ihre Wirkung auch über die Länge einer kompletten Oper hinweg entfaltet. Das Publikum der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik erlebte bereits 2015 eine Aufführung des Dramma per...
Ist die alte, die Musik des Mittelalters im 21. Jahrhundert das eigentlich Neue? Der Gregorianische Choral? Die mehrstimmigen Gesänge der Notre-Dame-Schule und der Ars Nova? Für Arvo Pärt liegt die Zukunft fraglos in der Vergangenheit. Vorwärts zu den Ursprüngen – so könnte man die Haltung umreißen, die Pärts Kompositionen seit den späten 1970er-Jahren...
Die Nacht der Liebe, sie ist Unter den Linden nicht Rausch, nicht Zauberspuk oder Krankheit, sondern eine Bedrohung. Ein Spiel, das Tristan nur zum Schein mitspielt. Weil es kein Entrinnen gibt aus dem Hause Marke. Weil Isolde nicht locker lässt, es wirklich ernst meint mit ihm, der am liebsten davongelaufen wäre. Zur Jagd mit der feierlaunigen Gesellschaft, die...
