Die Taube fliegt nicht mehr
Der Ort ist pikant. Und mit tristen Bildern reichlich gefüllt. Nur wenige Steinwürfe von der Deutschen Oper Berlin wurde am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg vom West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras im Rahmen der Proteste gegen das iranische Schah-Regime Mohammad Reza Pahlavis getötet, mit einem Schuss in den Hinterkopf. Berühmt geworden ist das Foto, das eine junge Frau, Friederike Hausmann, zeigt, die an der Seite des sterbenden Ohnesorg kniet und ihm vergeblich zu helfen versucht.
In ihren Armen stirbt der friedliche Demonstrant, der nur von seinem verbrieften Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machte und dafür feige aus dem Leben befördert wurde.
55 Jahre später sind die Debatten um die iranische Politik erneut entbrannt, allerdings unter völlig anderen Vorzeichen. Nun kämpfen die Menschen dort für ihre Freiheit und versuchen mit Protesten, das Ende der autokratischen Islamischen Republik herbeizuführen. Während die bundesdeutsche Außenpolitik sich meist vornehm in Schweigen hüllt, sind es insbesondere iranische Intellektuelle, die in diesem Kampf wortreich Stellung beziehen, darunter die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, die 2009 ihr Heimatland (in ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Report, Seite 60
von Jürgen Otten
Zwei Menschen: Sie, eine junge slowakische Jüdin, die 1942 mit dem ersten Frauentransport nach Auschwitz kommt; er, gleichaltrig und ein Aufseher, ein glühender Antisemit, der sich mit 17 freiwillig zur SS gemeldet hatte und als besonders brutal gilt. Sie muss ihm zum 21. Geburtstag ein Ständchen bringen – er verliebt sich in sie. Er rettet ihrer Schwester das...
Von der Weser bis zur Elbe, von dem Harz bis an das Meer» – so beginnt das «Das Lied der Niedersachsen». Und am Ende des zitierten Ausschnitts steigt man am besten auch schon wieder aus der Lektüre aus, folgen doch fast nur noch Nationalismen, die das Niedermetzeln einstmaliger Gegner feiern. Wesentlich feinsinniger gehen heuer die niedersächsischen Theater zu...
Kein Grieseln und Grausen, überhaupt kein finsterer Hexenwald wie im Märchen. Es ist ja auch keines. Humperdincks «Königskinder» (im Schatten des so viel populäreren Stücks «Hänsel und Gretel») können ja nicht leben, glücklich bis an ihr Ende, sie sterben einen elenden Kältetod, und sei er noch so betörend überglänzt von Verklärungsmusik und Kinderchor! Es ist ein...
