Die Taube fliegt nicht mehr
Der Ort ist pikant. Und mit tristen Bildern reichlich gefüllt. Nur wenige Steinwürfe von der Deutschen Oper Berlin wurde am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg vom West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras im Rahmen der Proteste gegen das iranische Schah-Regime Mohammad Reza Pahlavis getötet, mit einem Schuss in den Hinterkopf. Berühmt geworden ist das Foto, das eine junge Frau, Friederike Hausmann, zeigt, die an der Seite des sterbenden Ohnesorg kniet und ihm vergeblich zu helfen versucht.
In ihren Armen stirbt der friedliche Demonstrant, der nur von seinem verbrieften Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machte und dafür feige aus dem Leben befördert wurde.
55 Jahre später sind die Debatten um die iranische Politik erneut entbrannt, allerdings unter völlig anderen Vorzeichen. Nun kämpfen die Menschen dort für ihre Freiheit und versuchen mit Protesten, das Ende der autokratischen Islamischen Republik herbeizuführen. Während die bundesdeutsche Außenpolitik sich meist vornehm in Schweigen hüllt, sind es insbesondere iranische Intellektuelle, die in diesem Kampf wortreich Stellung beziehen, darunter die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, die 2009 ihr Heimatland (in ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Report, Seite 60
von Jürgen Otten
Hätte nicht Rudolf Bing im Jahr 1958 aufgrund erheblicher Differenzen über das zu wählende Repertoire Maria Callas gefeuert, das Publikum der Met wäre schon vor mehr als 60 Jahren in den Genuss der «Medea»-Fassung mit den deutschen Rezitativen von Franz Lachner gekommen. Zwar gab es in den 1950erund 60er-Jahren einige konzertante Aufführungen dieses hybriden Werks...
Le Voyage dans la Lune» ist nach «La Périchole» und «Maître Pé-ronilla» die dritte Operette Jacques Offenbachs, die das Palazzetto Bru Zane in seiner der französischen Oper gewidmeten CD-Buchreihe vorlegt. Die 1875 am Pariser Théâtre de la Gaîté uraufgeführte Opéra-féerie war einer der wenigen Sensationserfolge des späten Offenbach und wurde 186 Mal am Stück...
Wer Kunst schafft, will Ewigkeit – Unsterblichkeit im eigenen Werk. Heinrich Tannhäuser, als Minnesänger eine Art Singer-Songwriter des Mittelalters, ist in der Liebeshöhle der Venus auf dem besten Weg zu solchen höheren Weihen. Er komponiert, und die Göttin ist bereit, ihn zum Gott zu machen. Dazu muss er allerdings an ihrer warmen Brust verweilen. Doch der...
