Die Taube fliegt nicht mehr
Der Ort ist pikant. Und mit tristen Bildern reichlich gefüllt. Nur wenige Steinwürfe von der Deutschen Oper Berlin wurde am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg vom West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras im Rahmen der Proteste gegen das iranische Schah-Regime Mohammad Reza Pahlavis getötet, mit einem Schuss in den Hinterkopf. Berühmt geworden ist das Foto, das eine junge Frau, Friederike Hausmann, zeigt, die an der Seite des sterbenden Ohnesorg kniet und ihm vergeblich zu helfen versucht.
In ihren Armen stirbt der friedliche Demonstrant, der nur von seinem verbrieften Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machte und dafür feige aus dem Leben befördert wurde.
55 Jahre später sind die Debatten um die iranische Politik erneut entbrannt, allerdings unter völlig anderen Vorzeichen. Nun kämpfen die Menschen dort für ihre Freiheit und versuchen mit Protesten, das Ende der autokratischen Islamischen Republik herbeizuführen. Während die bundesdeutsche Außenpolitik sich meist vornehm in Schweigen hüllt, sind es insbesondere iranische Intellektuelle, die in diesem Kampf wortreich Stellung beziehen, darunter die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, die 2009 ihr Heimatland (in ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Report, Seite 60
von Jürgen Otten
Im Saal 2 des StaatenHauses in der heiligen Stadt Köln öffnet sich ein moderner Kirchenraum: Graue Sichtbetonwände begrenzen das schmucklose Interieur, erleuchtet durch gedämpftes Licht aus puristischen Hängeleuchten. Es ist ein Raum, der frösteln lässt. Man glaubt, feuchte Kühle zu spüren, irgendwie riecht es nach Kerzenwachs und gerade verflogenem Weihrauchduft....
Stück-Werk» hieß das Ziel, das der Stuttgarter Opern-Intendant Klaus Zehelein 1997 ausgab, nachdem er sich mit dem für die geplante Neuinszenierung von Wagners «Ring des Nibelungen» vorgesehenen Regisseur Johannes Schaaf zerstritten hatte und eine andere Lösung suchte. Dass das Ganze das Unwahre sei, hatte er einst bei Adorno gelernt. «Wagners Arbeit am Ring», so...
Frau Fassbaender, Sie haben einmal in einem Interview gesagt: «Ich habe ein schlechtes Gewissen beim Nichtstun, vielleicht kann ich mir das abgewöhnen.» Sind schon Fortschritte erkennbar?
Nein. Ich bin immer noch rastlos, auch in den Ferien. Da ich eingedeckt bin mit Inszenierungen, hört die Kopfarbeit nicht auf. Das finde ich ja gut! Immerhin: Ich bin so weit,...
