Die Sperrmüll-Metapher
Da sind sie wieder, all die Bekannten aus dem Regietheater der Gegenwart: ein Einkaufswagen, ein paar Bierkästen, ein Gitterzaun, die Filmkamera – natürlich mit Simultanübertragung. Irgendwann ist Sperrmüllsammlung, könnte der weniger erfahrene Theatergänger mutmaßen, dann nämlich, wenn die Akteure das gesamte Gerümpel auf einen großen Haufen schmeißen. Dabei ist der Müllberg nur Insignium der Katastrophe in einer Tragödie, steht als Metapher für eine Gruppe, mit der die Gesellschaft – die amerikanische Gesellschaft – nichts mehr anfangen kann: die Indianer.
Hans Zender, der siebzig Jahre junge Dirigent und Komponist, hat sich mit dieser Problematik in seinem jüngsten Musiktheater um den Häuptling der Nez Percé «Chief Joseph» auseinandergesetzt; die Uraufführung an der Berliner Staatsoper im vergangenen Jahr hatte vor allem wegen der Inszenierung des Hausherrn Peter Mussbach für ein zwiespältiges Echo gesorgt. In diesem Stück stecke mehr Potenzial, meinte man am Theater Heidelberg, das unter der Intendanz Peter Spuhlers sein Augenmerk verstärkt Werken schenkt, die nach der Uraufführung eben nicht gleich in der Versenkung verschwinden sollen. Gehört Zenders Opus dazu?
Natürlich ...
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Man kann die Klagen bald nicht mehr hören: Das Publikum klassischer Konzerte und Opernaufführungen sei überaltert, und der jüngeren Generation fehle die Bildung, um Mozart, Verdi oder Wagner zu verstehen. Ganz zu schweigen vom Musiktheater des 20. und 21. Jahrhunderts. Statt bloß zu jammern, sind Orchester wie Opernhäuser längst zur Offensive übergegangen –...
Der Opernkomponist Nikolai Rimsky-Korsakow muss zumindest hierzulande immer noch abbüßen, dass er den Werken seines genialeren Jugendfreundes Mussorgsky mit geschönter Instrumentation meinte aufhelfen zu müssen. Dabei hat Rimsky durchaus Eigenes zu bieten, so die in jüngster Zeit mehrfach gespielte antizaristische Märchensatire «Der goldene Hahn» oder die jetzt...
Als vor genau zwanzig Jahren an der Deutschen Oper Berlin die letzte «Rigoletto»-Premiere stattfand, blieben in den meisten Kritiken für den Dirigenten nur wenige Worte. Hans Neuenfels hatte inszeniert – und war in Bestform. Aber auch der Mann am Pult war in Bestform. Silvio Varviso leitete diese Aufführung mit Zurückhaltung, Eleganz, Schwerelosigkeit und viel...
