Die pure Überwältigung
Für das Teatro dell’Opera di Roma ist eine Saisoneröffnung mit Arrigo Boitos «Mefistofele» ein eher maßvoll ambitioniertes Unterfangen. Man kennt das Stück, dessen siebenstündige Erstfassung 1868 in Mailand weiland noch durchfiel (die auf weniger als die Hälfte eingekürzte Version setzte sich 1875 in Bologna durch) und in dem Boito eine Art Synthese von italienischer und deutscher Kunst anstrebte. Auch Michele Mariotti ist vertraut mit der Partitur, er vermag am Pult des Hausorchesters mit fein ausziselierten Klängen zu faszinieren, die wie aus dem Nichts zu kommen scheinen.
Alles in allem lässt er aber keinen Zweifel daran, dass es ihm um den großen Ton und das große Pathos geht, er also auf pure Überwältigung aus ist. Für diese musi -kalische Materialschlacht bietet die Oper einigen vokalen Luxus auf: An der Spitze des Ensembles beeindrucken John Relyea mit einem profund machtvollen Bass in der Titelpartie und Joshua Guerrero mit kernigem Tenor als Faust. Maria Agresta macht ihre Doppelrolle (sie singt Margherita und Elena) zu einem strahlenden Glanzstück – wobei ihr im Falle von Elena auch eine faszinierende Darstellung gelingt. Dass sie als Margherita im goldfunkelnden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Joachim Lange
Sie tun es alle irgendwann, und meistens mehrfach im Jahr. Am häufigsten vielleicht Frank-Walter Steinmeier und Olaf Scholz sowie die Fußballerinnen und Fußballer mit dem deutschen Adler auf der Brust. Und nicht nur sie; fast jeder Deutsche hat sich irgendwann mal an Haydns bekanntester Melodie versucht, der früheren Kaiserhymne und dem späteren Deutschlandlied....
Gleich drei Mal reiste Igor Strawinsky von Los Angeles nach Baden-Baden, um im Hans-Rosbaud-Studio seine Werke einzustudieren und aufzunehmen. Auch Paul Hindemith, Luigi Nono, Olivier Messiaen und Karlheinz Stockhausen waren mehrfach zu Gast, der junge Pierre Boulez startete hier seine Karriere als Dirigent. Das 1950 in nur sechs Monaten für seinerzeit 500 000...
Auf unserm Hof daheim hört man die Gänse schrein, kräht auch der Hahn»: Vielleicht ist es schon im tschechischen Original nicht unbedingt die erhabenste Poesie, die der verdiente Max Brod hier auf Deutsch nachgebildet hat. Aber hört man die dazugehörige Musik in Jaromír Weinbergers «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» den Abend über als Leitmotiv eines ländlichen...
