Die Männer von La Mancha
Als der spanische König Philipp III. sah, wie ein junger Mann sich vor Lachen krümmte, kommentierte er dies mit den Worten: «Entweder der Bursche hat den Verstand verloren, oder er liest gerade den ‹Don Quijote›». Kann man den eigentümlichen Charakter eines Buchs besser beleuchten, das vor genau vierhundert Jahren das Licht der nicht allein literarischen Welt erblickte? Fast siebzig Opern wurden seit 1680 dem Ritter vom traurigen Gesicht gewidmet (denn «figura» bedeutet nichts anderes als eben: «Gesicht»).
Fünfundsiebzig Jahre, nachdem der erste Teil publiziert worden war, erschien Don Quijote zum ersten Mal auf einer musikalischen Bühne: in Venedig, einer der bedeutendsten Opernstädte des 17. Jahrhunderts, in Gestalt von Carlo Sajons «Don Chisciotte della Mancia». Mindestens zwanzigmal wurde der Stoff vertanzt, mehr als ein Dutzend Symphonische Dichtungen und Orchesterstücke existieren zum Thema. Sogar die leichte Muse hat sich der Gestalt angenommen: Es sind immerhin ein Musical, eine Farce, eine Posse, ein Kinderspiel, eine Serenata und ein Marsch, in denen Don Quijote und sein Knappe auftreten. Hinzu kommen etliche Zarzuelas, Liedvertonungen und Filmmusiken, so dass man ...
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In Theorie und Bühnenbild wirkt es schlüssig: die 1871 in Kairo uraufgeführte «Aida» ebendort anzusiedeln – nämlich in der luxuriösen Lobby eines britischen Kolonialhotels während des Krieges zwischen Großbritannien und Äthiopien (1876) und der Besetzung Ägyptens (1882) (Bühne: Dieter Richter). Doch im Laufe des Abends erweist sich, dass dieses Konzept nur an der...
Alexander von Zemlinsky ist in der argentinischen Kapitale so gut wie unbekannt. Von seinen wichtigen Werken war in Buenos Aires lediglich die «Lyrische Symphonie» zu hören (1997). Die Maeterlinck-Lieder, die Quartette, das Trio – all dies harrt nach wie vor einer Aufführung. Das Gleiche galt bis vor kurzem für Zemlinskys Opern. Erst der ehemalige Colón-Intendant...
Wo die Handlung zum Gerüst schrumpft, hat die Regie freie Hand, eigene Geschichten zu erfinden. Und genau dies tut die junge französische Regisseurin Mariame Clément in der Berner Inszenierung von Rossinis «Viaggio a Reims» mit großer Fantasie. Vor allem ist jede Geste, jede der ständig wechselnden Personenkonstellationen bis in die Details virtuos gearbeitet, ohne...
