Die Götter müssen verrückt sein
Auf die Idee mit dem sexy Sixpack sind beide gekommen: Zur optischen Auflockerung wird immer wieder ein halbes Dutzend knackiger Tänzer auf die Bühne geschickt, vorzugsweise in Kostümen mit minimalem Stoffverbrauch. Im dritten Akt trägt jeweils der gesamte Chor putzige Retro-Bademode, und auch eine schwule Kammerzofe gibt es doppelt.
Zwei große Opernhäuser der Republik eröffnen ihre Saison mit Jacques Offenbachs «La belle Hélène», deren Erfolgsgeschichte vor genau 150 Jahren begann. In beiden Fällen sind eingeschworene Erfolgsteams am Werke.
Hamburg hat das Duo Renaud Doucet und André Barbe engagiert, an der Komischen Oper steht dem Intendanten Barrie Kosky der Choreograf Otto Pichler zur Seite. Zwei brillant gearbeitete Produktionen sind da zu sehen, denen es darum geht, alle Staubschichten von der Antikenparodie wegzublasen, in der sich einst die Pariser Gesellschaft des zweiten Kaiserreichs wiedererkennen sollte. Auf der einen wie der anderen Bühne werden dafür leistungsstarke Witz-Ventilatoren angeworfen – und doch fallen beide Aufführungen höchst unterschiedlich aus.
Doucet und Barbe gelingt es, die Farce mit Charme fürs heutige Publikum optisch auszustaffieren, ihre Show atmet ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Frederik Hanssen
Eigentlich sollte Karl Amadeus Hartmanns «Simplicius Simplicissimus» nie von den Spielplänen verschwinden. Die auf Grimmelshausen beruhende Parabel von dem einfältigen jungen Menschen, der Kriegsleid erfährt, hellsichtig gesellschaftliches Unrecht enttarnt und einen Aufstand der Unterdrückten initiiert, spielt in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, zielte aber...
Wie ein Filmdrehbuch hat Hugo von Hofmannsthal das Libretto des «Rosenkavalier» abgefasst, jede Nuance des Bühnengeschehens genau festgelegt. Über Jahrzehnte hinweg, von der Dresdner Uraufführung (1911) an, hielten sich Regisseure penibel an diese Vorgaben. Noch bis in die jüngste Zeit galten die traditionellen Inszenierungen eines Rudolf Hartmann oder Otto Schenk...
Der Rheinoper ist zum Saisonstart endlich wieder eine rundum überzeugende Eigenproduktion geglückt (Barrie Koskys Trickfilm-«Zauberflöte» ist ja «nur» ein schlauer Einkauf von der Komischen Oper Berlin). Altmeister Dietrich Hilsdorf läuft in der 150. Regie seiner Karriere zu großer Form auf. Es ist seine erste Begegnung mit dem von ihm bisher gemiedenen Richard...
