Die Götter müssen verrückt sein
Auf die Idee mit dem sexy Sixpack sind beide gekommen: Zur optischen Auflockerung wird immer wieder ein halbes Dutzend knackiger Tänzer auf die Bühne geschickt, vorzugsweise in Kostümen mit minimalem Stoffverbrauch. Im dritten Akt trägt jeweils der gesamte Chor putzige Retro-Bademode, und auch eine schwule Kammerzofe gibt es doppelt.
Zwei große Opernhäuser der Republik eröffnen ihre Saison mit Jacques Offenbachs «La belle Hélène», deren Erfolgsgeschichte vor genau 150 Jahren begann. In beiden Fällen sind eingeschworene Erfolgsteams am Werke.
Hamburg hat das Duo Renaud Doucet und André Barbe engagiert, an der Komischen Oper steht dem Intendanten Barrie Kosky der Choreograf Otto Pichler zur Seite. Zwei brillant gearbeitete Produktionen sind da zu sehen, denen es darum geht, alle Staubschichten von der Antikenparodie wegzublasen, in der sich einst die Pariser Gesellschaft des zweiten Kaiserreichs wiedererkennen sollte. Auf der einen wie der anderen Bühne werden dafür leistungsstarke Witz-Ventilatoren angeworfen – und doch fallen beide Aufführungen höchst unterschiedlich aus.
Doucet und Barbe gelingt es, die Farce mit Charme fürs heutige Publikum optisch auszustaffieren, ihre Show atmet ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Frederik Hanssen
Piotr Beczala hatte im vergangenen Jahr ein Operettenalbum vorgelegt, das die Fans des Genres restlos glücklich machte. Die sämige Geschmeidigkeit seines lyrischen Tenors, die leicht slawische Sprachfärbung, die k.u.k-Nostalgie beschwört, der spürbare Spaß am Kitsch. Der Pole kommt den großen Vorbildern aus der Schellack-Ära sehr nahe, vor allem Richard Tauber....
Jean-Baptiste Lully und sein Librettist Philippe Quinault schufen die Tragédie lyrique, auch Tragédie en musique genannt, als nationales französisches Musiktheater. Bewusst sah man sich als musikalisches Pendant zur klassischen französischen Tragödie von Corneille und Racine, setzte sich von der italienischen Oper ab und strebte ein Gleichgewicht zwischen gereimtem...
Alfredo Catalanis 1892 an der Scala uraufgeführte Oper «La Wally» ist auf deutschen Bühnen selten zu erleben – zu Unrecht, wie die Mannheimer Aufführung beweist. Die Handlung mutet zwar auf den ersten Blick konventionell an, aber der wie Puccini aus Lucca stammende, früh verstorbene Catalani und sein Librettist Luigi Illica geben der Dreiecksgeschichte einer Frau...
