Die Erde hat ihn wieder
Was immer auf der Wartburg vorgefallen ist: Tannhäuser macht erst mal die Schotten dicht. Sein Rückzug, so die Interpretation von Rosamund Gilmore, lässt sich als Ausflucht eines Künstlers deuten, der auf seine Weise die eigene Schaffenskrise zu bewältigen sucht. Folglich richtet Carl Friedrich Oberle dem renitenten Minnesänger auf der Bühne des Staatstheaters Nürnberg eine kleine Komponierstube ein, die innere Emigration ermöglicht – wären da nicht die Versuchungen, die ihn in der selbstgewählten Einsamkeit immer wieder abhalten von der Arbeit.
Und arbeiten will der Mann um jeden Preis, schließlich ist er der Welt noch einen «Tannhäuser» schuldig. Das Notenpult längst aufgestellt. Der «Richard Wagner»-Flügel aus dem Hause Ibach steht allerdings kopf, und Frau Venus reibt sich an ihm, als könnte sie den Geliebten damit rühren. Doch der hat anderes im Sinn. Während er auf den Chor der Pilger wie auf eine innere Stimme hört, stellt sich mit Mariens Hilfe (oder ist es vielleicht die Heilige Cecilia?) sein künstlerischer Normalzustand wieder ein. Das Instrument kippt in die Horizontale, die Fleisch gewordenen «rosigen Düfte» verschwinden. Wie durch ein Wunder öffnet sich der ...
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