Dezente Deutung
Die Revolution in Frankreich 1789 war auch eine der Oper. Erstmals wurden politische Tagesereignisse auf die Bühne gebracht, ohne mythologische oder komödiantische Verkleidung. Die zwischen 1792 und 1794 entstandenen Revolutionsopern von Grétry, Gossec und Méhul dienten unverhohlen der republikanischen Propaganda, die allerdings schon bald unter Napoleon nicht mehr so recht en vogue war. Bonaparte bevorzugte ohnehin Paisiello, bestellte bei Spontini die Oper «Fernand Cortez» und besuchte auch die Premiere von Cherubinis «L’étendard de Grenade».
Dabei blieb es nach 1815: Historische Stoffe beherrschten den Markt. Zu ihnen zählte nunmehr auch die sogenannte Große Französische Revolution. Jedoch interessierte sich nur noch ein Franzose für sie, nämlich Massenet in «Thérèse» (1907). Es waren drei italienische Musikdramen, die gut hundert Jahre nach dem Ereignis wieder die Pariser Terrorherrschaft thematisierten: Giordanos «Andrea Chénier» (1896), Respighis «Marie Victoire» (1914) und Mascagnis «Il piccolo Marat» (1921).
Unter all diesen Revolutionsopern nimmt Gottfried von Einems «Dantons Tod» von 1947 eine Sonderstellung ein. Nicht, weil hier das erste deutschsprachige Libretto ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Volker Tarnow
Ist das überhaupt zum Aushalten? Werden sich die Menschen nicht danach umbringen?» So soll Gustav Mahler, die soeben vollendete Partitur seines «Lieds von der Erde» aufschlagend, nach dem Zeugnis Bruno Walters gefragt haben. Heute ist die Symphonie in Liedern mit ihrer unaufgelösten Polarität von Werden und Vergehen im Kanon angekommen. Rund zweihundert Aufnahmen...
JUBILARE
Astrid Schirmer wurde am 8. November 1942 in Berlin geboren. Sie blieb zunächst ihrer Heimatstadt treu und studierte Gesang bei Elisabeth Grümmer. Bereits als junger Mensch sang sie Partien des jugendlich-dramatisches Faches (beispielsweise Leonore und Sieglinde); Engagements an den Häusern in Wien und Lyon folgten. In Patrice Chéreaus Bayreuther...
Erich Wolfgang Korngolds Oper «Die tote Stadt» gehört zu den Werken, deren Rezeptionsverlauf von den Einschlägen der Zeitgeschichte schwer getroffen wurde. Als Korngold das Werk im Alter von 23 Jahren schrieb, war er ein erwachsengewordenes Wunderkind, das imstande gewesen wäre, sich dauerhaft mit Richard Strauss und Giacomo Puccini zu messen, hätten ihn nicht die...
