Deutschstunde

Nadja Loschkys scharfsinnige Inszenierung von Walter Braunfels’ «Die Vögel» in Köln zeichnet ein überaus kritisches Bild unserer Gesellschaft, Gabriel Feltz verknüpft in seinem Dirigat glückhaft Apollinisches und Dionysisches

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Der Blick des Künstlers, obschon retrospektiv, war nachgerade prophetisch. Als sich Bruno Walter nach dem Zweiten Weltkrieg in der Autobiografie «Thema und Variationen» seines Lebens und Wirkens erinnerte, beschrieb er sehr präzise auch die Stimmung des Jahres 1920.

«Ich kehrte nach München zurück, wo seit dem Kapp-Putsch vom März 1920, den ein Generalstreik zum Scheitern gebracht, ein Anwachsen der Unruhe zwar nicht auf meine Tätigkeit in Oper und Konzert, aber auf meine Gedanken einwirkte, die versuchten, in den Sinn der ausgesprochenen Rechtswendung in Bayern, der mittelalterlichen geheimen Feme-Vorgänge, der rohen Gewaltakte auf der Straße und jener Bewegung einzudringen, die zu Versammlungen einer neuen Partei, mit dem künstlich und dissonant klingenden Namen einlud. Das alte Zauberzeichen des Hakenkreuzes und die blutrote Farbe der Zettel erregten in mir ein dumpfes Gefühl des Schauders und Ekels.»

Man muss an diese Zeilen denken, wenn man im Staatenhaus zu Köln sitzt und jene «poesie- und geistvolle Umwandlung der Komödie des Aristophanes» anschaut, als welche der Dirigent der Uraufführung Walter Braunfels’ Oper «Die Vögel» ...

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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten

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