Der Wald singt
Müsste «Der ferne Klang» nicht die Oper aller Opern sein? Bereits Franz Schrekers Titel signalisert die nicht auseinanderdividierbare Identität von Inhalt und Ausdrucksmittel. Im Zentrum steht die lebenslange Suche des Komponisten Fritz nach dem Klang an sich. Also: Musik über Musik, eine Oper über eine Oper, die nämlich, an der Fritz im Finalakt letztlich zerbricht. Fritz jagt landaus, landein einem Sehnsuchtsklang nach. Grete lässt er zurück – in der Hoffnung, «reich und frei, ein Künstler von Gottes Gnaden», zu ihr heimzukehren.
Sie indes, inmitten des nächtlichen Waldzaubers ihres erotischen Potenzials inne geworden, avanciert zur Starkurtisane eines venezianischen Halbwelt-Etablissements und landet, vom gräflichen Galan verlassen, zuletzt elend auf dem Straßenstrich. Am Ende: Wiederbegegnung, krank beide, und Fritz’ zu späte Erkenntnis, dass der Klang ein Leben in Liebe ist.
Klang und noch mal Klang – das ist Schreker: nachwagnerisch raunend, vegetativ, schimmernd, ein Farbfleck nach dem anderen. Gretes sexuelle Ahnung: Es ist Mondnacht, und der Wald singt – ein magisches Tönen, erlesen instrumentiert, ein leise wiegendes, poetisch-impressionistisches Wunderstück. Und wenn ...
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