Der verbotene Blick

Glucks «Orfeo ed Euridice» in Romeo Castelluccis suggestiver Deutung

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Nach dieser Aufführung möchte man sprachlich Fahnenflucht begehen, die abgewohnten Worte hinter sich lassen. Denn das, was man an diesem Abend, bei Romeo Castelluccis beklemmender, weit über das Theatralisch-Szenische hinausgehender Exegese von Glucks «Orfeo ed Euridice» erlebt, entzieht sich ­jeder üblichen Beschreibung.

Bei seiner Annäherung an den «Orpheus»-Mythos hatte Castellucci sich gefragt, wo dieser Zwischenbereich vom Leben zum Tod wohl heute zu finden wäre. Die Antwort war so einfach wie tief: in den Intensiv- und Koma-Stationen der Krankenhäuser.

Dort sei das Schattenreich. Dort seien die Eurydikes. So fand er Karin Anna Giselbrecht. Die junge Frau hatte, wie wir im ersten Akt durch Schriftprojektionen auf eine bühnenfüllende Leinwand erfahren, eine Ballettausbildung durchlaufen, als sie vor drei Jahren plötzlich und grausam aus dem Tänzerleben gerissen wurde. Sie hatte einen Herzstillstand erlitten, Folge einer seltenen, heimtückischen Erkrankung. Seither liegt sie im Wachkoma. Behaust ein uns fremdes Reich.

An diesem Abend hört sie Musik. Live aus der Halle E des Wiener Museumsquartiers – eben die Aufführung von Glucks «Orfeo ed Euridice», der wir beiwohnen. Und wir ...

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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 7
von Gerhard Persché

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