Der verbotene Blick
Nach dieser Aufführung möchte man sprachlich Fahnenflucht begehen, die abgewohnten Worte hinter sich lassen. Denn das, was man an diesem Abend, bei Romeo Castelluccis beklemmender, weit über das Theatralisch-Szenische hinausgehender Exegese von Glucks «Orfeo ed Euridice» erlebt, entzieht sich jeder üblichen Beschreibung.
Bei seiner Annäherung an den «Orpheus»-Mythos hatte Castellucci sich gefragt, wo dieser Zwischenbereich vom Leben zum Tod wohl heute zu finden wäre. Die Antwort war so einfach wie tief: in den Intensiv- und Koma-Stationen der Krankenhäuser.
Dort sei das Schattenreich. Dort seien die Eurydikes. So fand er Karin Anna Giselbrecht. Die junge Frau hatte, wie wir im ersten Akt durch Schriftprojektionen auf eine bühnenfüllende Leinwand erfahren, eine Ballettausbildung durchlaufen, als sie vor drei Jahren plötzlich und grausam aus dem Tänzerleben gerissen wurde. Sie hatte einen Herzstillstand erlitten, Folge einer seltenen, heimtückischen Erkrankung. Seither liegt sie im Wachkoma. Behaust ein uns fremdes Reich.
An diesem Abend hört sie Musik. Live aus der Halle E des Wiener Museumsquartiers – eben die Aufführung von Glucks «Orfeo ed Euridice», der wir beiwohnen. Und wir ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 7
von Gerhard Persché
«Robert le diable» ist die erste der vier grand opéras von Giacomo Meyerbeer. Wer von der Aufführung an der Londoner Covent Garden Opera den Durchbruch dieses bei seiner Pariser Uraufführung 1831 sensationell erfolgreichen Werks für das heutige Repertoire erhofft hatte, sieht sich bitter enttäuscht (siehe OW 2/2013). Zuvörderst, weil die Möglichkeiten, die die...
Haben Sie sich die Zeit nach Ihrer Intendanz so vorgestellt?
Nee. Jedenfalls nicht so arbeitsreich. Ich hatte schon gehofft, etwas mehr Freizeit zu haben und das Zuhause genießen zu können. Ich bin fast genauso viel auf Reisen wie zu Sängerzeiten.
Man könnte sich auch dagegen entscheiden.
Ja, das stimmt wohl. Aber wenn man im Alter noch so gefragt ist, ist das schon...
So viel Lärm um Glyndebourne war wohl nie. Wie Donnerhall dröhnte es nach der ersten Premiere dieses Jahres über den lieblichen South Downs. Nicht, dass das seit 1934 auf einem Landgut in East Sussex veranstaltete Opernfestival seinen in Frack und Abendrobe anreisenden Habitués mit einem kühnen Programm zur 80. Sommersaison das Champagner-Picknick auf der Wiese...
