Der Mensch, überflüssig
Schnell, geradezu unweigerlich fühlt man sich durch den «Spieler» in die Sphäre einer Theatralik des Absurden versetzt. Noch über den klinisch-pathologischen Befund einer alle Fibern der Existenz erfassenden Sucht hinaus wird die Universalisierung des «Spiels» in diesem von Sergej Prokofjew selbst in Librettoform gebrachten Dostojewski-Stoff zur Metapher für eine moderne, aller Versicherungen verlustig gegangene condition humaine.
Der von westlicher Bildung berührte russische Adlige wird zum Prototyp des «überflüssigen Menschen», der von der Revolution gebrandmarkt und abgeschafft wurde – um in welterschütternder Metamorphose millionenfach aufzuerstehen als ein in die ökonomische Rationalität des globalisierten Kapitalismus ungenügend einpassbarer Faktor («Humankapital»).
Es ging mithin nicht am Grundmotiv des Stücks vorbei, wenn in der Mannheimer Inszenierung von Tilman Knabe beim spektakulären Höhepunkt, der Rouletteszene im vierten Akt, so etwas wie eine simulierte Hausbesetzung mit roten Fahnen, an den Rängen befestigten Transparenten und massenhaft ins Parkett herunterrieselnden «kommunistischen» Handzetteln stattfand. Das heißt nicht, dass die Ereignisse auf der Bühne darüber ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Hans-Klaus Jungheinrich
Erfolg macht neugierig. Mindestens. Gelingt einem wie Max Emanuel Cencic denn wirklich alles? Der Countertenor ist ein Prometheus des Barockmusikbetriebs. Ein Interpret, der sein eigener Manager ist und (mit seiner eigenen Firma Parnassus) ganze Produktionen vermarktet. Einer, der sich aussuchen kann, mit welchen Sängern, Dirigenten, Orchestern er zusammenarbeitet....
Mitunter relativieren Opernausgrabungen ein wenig das Licht, in dem historisch benachbarte Giganten glänzen. Zu den verkannten Tonschöpfern gehört der böhmische Komponist Florian Leopold Gassmann. Ab 1763 als Nachfolger Christoph Willibald Glucks am Wiener Hof, war er hörbar ein Vorarbeiter Mozarts. Doch im Gegensatz zu den beiden Kollegen ist der fähige Gassmann...
Henry Purcells «Indian Queen» ist ein Fragment. Nicht, weil der Komponist diese Form kultivieren wollte, sondern weil er, ein Frühvollendeter wie Mozart, vor der Zeit starb. Auf jeden Fall trägt, was von diesem Stück erhalten blieb, keinen ganzen Abend, allenfalls fünfzig Minuten Musik sind überliefert. Also stutzten wir, als wir die Hülle dieses Mitschnitts aus...
