Der Liebe Macht
Draußen vor der Tür glüht das Pflaster, drinnen im Saal das Verlangen. Doch vergeblich. Zernichtet ist die Zauberin, ein mächtiger Donnerschlag hat das Ende ihrer Herrschaft in der Oper Frankfurt eingeleitet. Göttlicher Wille? Womöglich. Jedenfalls (und sehr buchstäblich) ein Einschnitt, eine Peripetie. Aufgerissen die Wände ihres Reichs, aufgerissen ihre Seele.
Und so liegt sie, im seidenschwarzen Nachtkleid, dort am Boden ihres Luftund Luftschlosses, das Kaspar Glarner für sie gebaut hat, umgeben von den wilden Tieren (die hier aber lauter gesichtslose Männer in weißer Unterwäsche sind) und beklagt ihr Schicksal: «Ah, mio cor!» Händel hat der traurigen Titelfigur seiner 1735 in die Welt gelangten Oper «Alcina» dafür ein Andante larghetto komponiert, das schmerzlichschöner, bittersüßer kaum sein könnte. Dicke c-Moll-Tränen tropfen in schleppenden Streicher-Achteln ihre Wangen herab zu Boden, und eigentlich weiß die Arme gar nicht, wie ihr geschieht. Immer wieder haucht Monika Buczkowska-Ward das eine Wörtchen «Perché?» ins Dunkel, doch nichts und niemand ist da, der ihr diese eine Frage beantworten könnte. Alcina, allein zu Haus. Im Mittelteil der Arie, einem Allegro in der ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten und Regine Müller
GARSINGTON FESTIVAL L’elisir d’amore, Pique Dame, Rodelinda
Manche betrachten es als liebenswerte Marotte, andere halten den Brauch, sich am Nachmittag für den Besuch der beinahe wie Pilze aus dem Boden schießenden Landhausopern der britischen Sommersaison in Schale zu werfen, für einen absurden Anachronismus – noch dazu, wenn man für das Picknick in der langen...
Wir vernehmen die schwer auf ihrer Seele lastenden Atemzüge einer Sterbenden: Die noch junge Frau ringt sie sich mit Hilfe eines Sauerstoffgeräts ab – bevor man im Graben jene schwervernebelten Streicherklänge des Vorspiels zum dritten Akt vernimmt, die von baldiger Erlösung zu künden scheinen. Und weil Violettas Verlöschen zum Längsten gehört, was Verdi je für...
Der Rhein ist in Grußweite. Ein paar hundert Meter weiter fließt die Mosel. Dazwischen das überdimensionierte Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck. Bei so viel malerischer Pracht geht das Theater Koblenz zwischen den herrschaftlichen Bauten irgendwie unter, eingepfercht zwischen prächtigen Fassaden – und erst recht, wenn das Gebäude, so wie jetzt, von mehreren...
