Der Körper als Skulptur
Herbst 2022: Beim Festival Bayreuth Baroque inszeniert Countertenor und Festivalleiter Max Emanuel Cenčić die Oper «Alessandro nell’ Indie» von Leonardo Vinci, uraufgeführt 1730 in Rom, wo Frauen seinerzeit auf Bühnen unerwünscht waren. Der Schauplatz? Indien. Der Anlass? Der Krieg des Makedonenkönigs Alexander der Große gegen den indischen König Poros. Die Akteure in Bayreuths Markgräflichem Opernhaus? Fünf Countertenöre, ein Tenor. Die Handlung? Fragen Sie besser nicht! Die Inszenierung? Der nackte Wahnsinn.
Eine schrille Bollywood-Fantasie, die die europäische Opera seria als Kunstform dennoch mitten ins Herz traf.
Was alles nicht möglich gewesen wäre ohne die Kostüme von Giuseppe Palella, die dem Schaulaufen männlicher Diven erst ihre Laufstegqualitäten gaben. Schon der goldene Elefant, der Franco Fagioli als Poro im zweiten Akt auf den grünen Harnisch gestickt war, hätte einen Farinelli neidisch machen können. Dazu die Damen, pardon: Herren Bruno de Sá und Jake Arditti, mit Colliers und Fächern über den künstlichen, umso fülligeren Dekolletés, Diademen voller falscher Edelsteine in den Frisuren und noch mehr Pailletten auf den knallgelben und knallpinken Kleidern. Und dann ...
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Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 72
von Michael Stallknecht
Herr Žuraj, wie geht also ein solches Kunststück?
Händl Klaus hat den Stoff von Thomas Mann schon lange in sich getragen und den Wunsch geäußert, daraus ein Musiktheaterstück zu machen. Mich selbst hat vor allem der Umbruch interessiert, in den die Hauptfigur der Erzählung gestürzt wird – von der Lebensblüte in diese Krankheit, in diesen Zerfall. Ich habe in diesem...
Ziemlich genau 30 Minuten ist der zweite Aufzug alt, da wird er zur Anfechtung, auch für manchen Wagner-Nerd. Der Überraschungsangriff des Vorspiels, die jubelnden «Hojotohos» Brünnhildes, der Ehezank im XXL-Format. Und dann verpuffen und versickern die Effekte, weil es für den Göttervater ans Eingemachte geht, weniger fürs Publikum, so ist das jedenfalls in vielen...
Eigentlich wäre die Sache ganz einfach: Ein Jüngling liebt ein Mädchen, und die liebt keinen anderen. Das Glück liegt auf der Straße, die schon viele zuvor entlanggingen, der Jüngling muss sich nur bücken, es aufheben und in die Tasche stecken. Was aber in der Realität häufig genug funktioniert (allerdings mit höchst unterschiedlichen Endergebnissen), findet sich...
