Der Körper als Skulptur

Er liebt es üppig und farbig. Doch schon in seinen Zeichungen entfaltet sich ein veritabler Schönheitssinn. Giuseppe Palella ist «Kostümbildner des Jahres». Ein Porträt

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Herbst 2022: Beim Festival Bayreuth Baroque inszeniert Countertenor und Festivalleiter Max Emanuel Cenčić die Oper «Alessandro nell’ Indie» von Leonardo Vinci, uraufgeführt 1730 in Rom, wo Frauen seinerzeit auf Bühnen unerwünscht waren. Der Schauplatz? Indien. Der Anlass? Der Krieg des Makedonenkönigs Alexander der Große gegen den indischen König Poros. Die Akteure in Bayreuths Markgräflichem Opernhaus? Fünf Countertenöre, ein Tenor. Die Handlung? Fragen Sie besser nicht! Die Inszenierung? Der nackte Wahnsinn.

Eine schrille Bollywood-Fantasie, die die europäische Opera seria als Kunstform dennoch mitten ins Herz traf.

Was alles nicht möglich gewesen wäre ohne die Kostüme von Giuseppe Palella, die dem Schaulaufen männlicher Diven erst ihre Laufstegqualitäten gaben. Schon der goldene Elefant, der Franco Fagioli als Poro im zweiten Akt auf den grünen Harnisch gestickt war, hätte einen Farinelli neidisch machen können. Dazu die Damen, pardon: Herren Bruno de Sá und Jake Arditti, mit Colliers und Fächern über den künstlichen, umso fülligeren Dekolletés, Diademen voller falscher Edelsteine in den Frisuren und noch mehr Pailletten auf den knallgelben und knallpinken Kleidern. Und dann ...

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Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 72
von Michael Stallknecht

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