Der andere Blick

Nono: Al gran sole carico d’amore
Basel | Theater

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Trotzdem! Trotz aller Katastrophen, Niederlagen, Toten. Die Sehnsucht nach solidarischen, herrschaftsfreien Lebensformen, die individuelles mit dem Wohl aller versöhnen könnten, ist noch nicht aus der Welt. Auch wenn es angesichts der durch den Homo sapiens an den Rand des Kollapses gebrachten Natur, des immer härteren globalen Wettbewerbs um Ressourcen, der Zündkraft nationalistischer und rassistischer Demagogen schwerfällt, eine menschlichere, gerechtere Zukunft zu besingen: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Es ist indes eine versehrte Hoffnung, der Skepsis, Trauer, die Erfahrung grausamen Scheiterns eingeschrieben sind.

Luigi Nono, der große, vielleicht hellhörigste und zärtlichste Träumer unter Italiens neueren Komponisten, verkörperte – die Glocken Venedigs im Ohr und das Kommunistische Manifest im Herzen – die Haltung eines durch das blutige Antlitz der Geschichte erschütterten Utopisten wie kein zweiter Künstler seiner Generation. Und niemand hat die Widersprüche zwischen emanzipatorischem Furor und elender Faktizität sensibler, poetischer in Musik ausgedrückt. Kein Ton, den Nono nicht als ein «J’accuse» im Namen der Schwachen, der Unterdrückten, der Verdammten dieser Erde ...

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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Albrecht Thiemann

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