Der andere Blick
Trotzdem! Trotz aller Katastrophen, Niederlagen, Toten. Die Sehnsucht nach solidarischen, herrschaftsfreien Lebensformen, die individuelles mit dem Wohl aller versöhnen könnten, ist noch nicht aus der Welt. Auch wenn es angesichts der durch den Homo sapiens an den Rand des Kollapses gebrachten Natur, des immer härteren globalen Wettbewerbs um Ressourcen, der Zündkraft nationalistischer und rassistischer Demagogen schwerfällt, eine menschlichere, gerechtere Zukunft zu besingen: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Es ist indes eine versehrte Hoffnung, der Skepsis, Trauer, die Erfahrung grausamen Scheiterns eingeschrieben sind.
Luigi Nono, der große, vielleicht hellhörigste und zärtlichste Träumer unter Italiens neueren Komponisten, verkörperte – die Glocken Venedigs im Ohr und das Kommunistische Manifest im Herzen – die Haltung eines durch das blutige Antlitz der Geschichte erschütterten Utopisten wie kein zweiter Künstler seiner Generation. Und niemand hat die Widersprüche zwischen emanzipatorischem Furor und elender Faktizität sensibler, poetischer in Musik ausgedrückt. Kein Ton, den Nono nicht als ein «J’accuse» im Namen der Schwachen, der Unterdrückten, der Verdammten dieser Erde ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Albrecht Thiemann
Wunderschön der gründerzeitliche Salon auf der Bühne. Weinrote Seidentapeten, erlesenes Mobiliar, im Hintergrund ein hohes Fenster mit Blick auf einen vom Herbstwind leis bewegten Baum. Einiges freilich will nicht stimmen. Zum Beispiel die in die Zimmerdecke eingelassenen Halogenleuchten, das moderne Telefon auf dem Wandtischchen, der Rollkoffer aus Aluminium; sie...
Orhan Pamuk war nicht da. Dabei hätte er all den nützlichen und weniger nützlichen Nippes, all die Liebesgeschichten, die sich aus den objets trouvés herausschälten, gut gebrauchen können für sein «Museum der Unschuld». Wobei das mit der Unschuld so eine Sache ist. Genau darum nämlich geht es nicht in «All the good» von Jan Lauwers, das dieser mit seiner...
Die im April 2013 eröffnete Spielstätte für Oper, Operette, Ballett und Musical in Linz ist Österreichs modernster und universellster Musiktheaterbau. Er bietet attraktiven Raum vor allem für große Werke. Dieser Zug zum Großen: Er ist auch den Intentionen des derzeitigen Intendanten Hermann Schneider und seines Chefdirigenten Markus Poschner nicht abzusprechen....
