Das Unbehagen
Das Theater beginnt schon vor dem Theater. Noch ist kein Ton erklungen, geht es schon hoch her auf der Bühne der Leipziger Oper, wo sich, in ziemlich getreuer Abbildung, der Zuschauerraum der Leipziger Oper befindet. Ein buntes Völkchen strömt, befeuert vom Prinzipal der für diesen Abend engagierten Theatertruppe (mit Verve und Witz: der Schauspieler Friedhelm Eberle), zu den Türen hinein, tummelt und sammelt sich, drängt vor und zurück, sucht den passenden Sitz, die richtige Façon. Und eben auch das bestmögliche Theater.
Sergej Prokofjew wollte es so: Die Tragischen, die Lyrischen, die Lächerlichen, die Komischen, sie alle dürfen hier ihr Recht formulieren auf die Kunst, die ihnen vorschwebt.
Damit fängt die Deutungsvielfalt an. Natürlich kann man die 1919 in die Welt gelangte Oper als Lachsalvennummer von Gozzis Gnaden inszenieren. Man kann aber auch, mit dem Theaterrevolutionär Meyerhold, sagen: Es gibt in dieser bizarren Burleske viele Zwischentöne, Misstöne, Untertöne, kurzum: eine politische Seite, die sich hinter dem grotesken Klamauk verbirgt. Wolfgang Engel, bis vor drei Jahren Schauspielchef in Leipzig, schabt diese Fläche des Werks frei. Er tut es behutsam, mit einer ...
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Dies ist der vierte Mitschnitt von Carl Orffs hybrider Vertonung der sophokleischen «Antigonae» in der deutschen Nachdichtung Friedrich Hölderlins. (Die anderen stammen von der Salzburger Uraufführung 1949, der Münchner Erstaufführung 1951 und der Stuttgarter Inszenierung Wieland Wagners 1956). Er entstand 1958 im Herkulessaal der Münchner Residenz mit Chor und...
Die erste Spur des viel behandelten Elektra-Stoffes findet sich in einem «Orestie»-
Poem des Stesichoros aus dem sizilianischen Himera. Der Dichter starb etwa 555 vor Christus in Katane, dem heutigen Catania. Ein Platz und eine Marmorbüste erinnern heutige Besucher daran, dass die Tragödie des Sophokles und das von Hofmannsthal für Strauss geschriebene Libretto...
Es beginnt ruhig. Bassflöte, Bassklarinette und Fagott spinnen eine leise, dunkel getönte Melodie: e – e – d – e – a. Wie ein Engramm eröffnet sie Aribert Reimanns neue Oper. Was da klingt, ist der Name der Titelheldin: Medea (wobei das M als mi=e gilt). Ein fallender Ganzton und eine aufsteigende Quart prägen die Bewegung. Später kommt eine fallende Terz dazu....
