Das Unausweichliche, es zieht uns an
Als die Wolken am Horizont aufzogen, war das ingegno sublime gewappnet. Mochte die Konkurrenz von der «Opera of the Nobilities» ihm seine Starsänger mit astronomischen Summen abspenstig machen – und war es offenkundig, dass der Opera seria in England keine rosige Zukunft bevorstand –, er, Georg Friedrich Händel, blieb gelassen. Schließlich hatte er schon während seiner italienischen Reise ein Vierteljahrhundert zuvor Oratorien komponiert; daran würde er nun anknüpfen.
Sprach’s und schenkte den bibelfesten Briten «Esther», «Athalia», «Deborah», «Israel in Egypt», «Saul» und dann, die Augen wurden trübe, sein opus summum, «Jephtha». Ein bizarres, religionsphilosophisches Stück, seinem Ursprung nach alttestamentarisch, parabelhaft und so empfindsam, so modern wie kaum ein Werk zuvor, mit einem Wort von Karl Marx: «ausgesprochen revolutionär».
Vor allem dann, wenn, wie in Amsterdam, Ivor Bolton, das famose Concerto Köln, der fantastische Chor der Nationale Opera sowie ein exquisites Solistenensemble sich der Sache annehmen. Die Ouvertüre, streng französisch, markiert das Initial, antizipiert gleichsam die Fallhöhe der Geschichte. Messerscharf die Punktierungen im ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten
Die Uraufführung der «Leggenda di Sakùntala» von Franco Alfano hatte sich das Teatro Comunale in Bologna gesichert – man schrieb den 10. Dezember 1921. Gut zwei Jahrzehnte später gingen die Partitur und das Orchestermaterial in Flammen auf, als alliierte Bomben das Archiv des Verlagshauses Ricordi in Mailand beschädigten. Nach 1945 rekonstruierte Alfano eine...
58. Jahrgang, Nr 1
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