Das Unausweichliche, es zieht uns an
Als die Wolken am Horizont aufzogen, war das ingegno sublime gewappnet. Mochte die Konkurrenz von der «Opera of the Nobilities» ihm seine Starsänger mit astronomischen Summen abspenstig machen – und war es offenkundig, dass der Opera seria in England keine rosige Zukunft bevorstand –, er, Georg Friedrich Händel, blieb gelassen. Schließlich hatte er schon während seiner italienischen Reise ein Vierteljahrhundert zuvor Oratorien komponiert; daran würde er nun anknüpfen.
Sprach’s und schenkte den bibelfesten Briten «Esther», «Athalia», «Deborah», «Israel in Egypt», «Saul» und dann, die Augen wurden trübe, sein opus summum, «Jephtha». Ein bizarres, religionsphilosophisches Stück, seinem Ursprung nach alttestamentarisch, parabelhaft und so empfindsam, so modern wie kaum ein Werk zuvor, mit einem Wort von Karl Marx: «ausgesprochen revolutionär».
Vor allem dann, wenn, wie in Amsterdam, Ivor Bolton, das famose Concerto Köln, der fantastische Chor der Nationale Opera sowie ein exquisites Solistenensemble sich der Sache annehmen. Die Ouvertüre, streng französisch, markiert das Initial, antizipiert gleichsam die Fallhöhe der Geschichte. Messerscharf die Punktierungen im ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten
Mit jedem Werk, das von Walter Braunfels (1882-1954) eingespielt wird, erweitert sich unsere Kenntnis vom Schaffen dieses Komponisten, der 1933 von den Nazis als Halbjude verfemt wurde und nach 1945 wegen seines Stilkonservativismus erneut ins musikpolitische Abseits geriet. Vereinzelte Aufführungen, zuletzt seines epischen Musiktheaters «Jeanne d’Arc» in Köln...
Während der Wintersaison im festlichen Schwetzinger Rokokotheater taucht die Heidelberger Oper auf den Spuren der neapolitanischen Seria tief in die Vergangenheit ein. Am Beginn der Reise stand vor sechs Jahren Alessandro Scarlattis «Marco Attilio Regolo», jetzt ist man mit Niccolò Antonio Zingarellis 1796 in Mailand uraufgeführter «Giulietta e Romeo» am Ende...
Die Wohnung hat keine Katzenklappe. Dafür eine hohe Gründerzeit-Tür, die ins Nichts hineinführt, in den freien Fall. Auch der Rest des Bühnenbildes am Staatstheater Hannover hängt buchstäblich in der Luft, als eine Kippfigur, schräg und surreal, wie die zwölftönig zwitschernden Fabeltiermenschen, die es bevölkern.
Einen Spaß hatte Hans Werner Henze sich machen...
