Das Recht der ersten Nacht
Selbst ein wirklich spannendes Opernhaus kann nicht immer nur wichtige Premieren vorlegen. Bisweilen müssen einfach auch Interessen bedient werden. Doch die kann man gut eintüten, etwa mit spannenden Sängern, wenn zum Beispiel das Publikum mal wieder eine italienische Oper einfach nur genießen möchte. So wie das jetzt am Brüsseler Théâtre de la Monnaie geschehen ist, wo Puccinis Manon Lescaut freilich in eine thematische Reihe mit Bergs Lulu und Verdis La traviata gestellt wurde.
Das Herausragende an dieser Premiere war schnell klar: das Rollendebüt der Holländerin Eva-Maria Westbroek, die sich von London bis New York, Barcelona bis München längst in die erste Reihe der lyrisch dramatischen Soprane gesungen hat.
So wie sie hier schon mal als weibliche Fata Morgana vor ihrem eigentlichen Auftritt erscheint, könnte sie direkt aus ihrem umwerfenden Londoner Uraufführungserfolg als US-Sexgöttin Anna Nicole (Smith) kommen. Ähnlich wie ihre etwas ältere Kollegin Nina Stemme versucht Westbroek gegenwärtig eine Doppelstrategie: hier deutsches Repertoire, dort italienische Spinto-Rollen. So ist Puccinis vokal gar nicht so leichtes Mädchen nach der Leonora in La forza de destino schon die ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Im Fous, Seite 14
von Manuel Brug
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Im Jahr 1940 richteten die Nationalsozialisten auf dem Gelände der Heilanstalt Am Steinhof eine «Kinderfachabteilung» unter der Flurbezeichnung «Spiegelgrund» ein. Ihre Aufgabe war, «lebensunwertes Leben» zu vernichten. Im April 2002 wurden in Wien die Überreste von 789 der ermordeten Kinder auf dem Zentralfriedhof bestattet. Ein später Akt der Rehabilitierung....
Wer sich als Komponist an den Lyriker Nietzsche wagt, begibt sich auf heikles Terrain. Meist machen die Verse selbst schon so viel Musik, dass kein Raum für Vertonungen zu bleiben scheint. Pascal Dusapin (Jahrgang 1955) hat es auf Bitten des Baritons Georg Nigl dennoch versucht – und gleich einen ganzen Nietzsche-Zyklus für Stimme und Klavier geschrieben, der 19...
