Das Leben führt Regie
Es nahm sich aus wie ein besonders pointierter Regieeinfall und war doch nur dem Leben und seiner manchmal bitteren Realität geschuldet: eine Emilia Marty im Rollstuhl. Die alternde, mehr als 300-jährige Sängerin auf der Jagd nach dem Rezept für die ewige Jugend, gezeichnet als morbide, vom Verfall bedrohte Frau. Aber des Rätsels prosaische Lösung zeigt andere Hintergründe auf, die Michael Börgerding, Bremens neuer Intendant, dem Publikum vor Beginn der Vorstellung aufdeckt: ein zwei Wochen zuvor erfolgter Sturz der Sängerin, bei dem sie sich zwei heftige Frakturen zugezogen hatte.
Trotzdem wollte und sollte sie singen.
Was der Idee als solcher natürlich nichts nimmt. Sie passte punktgenau in eine Inszenierung, in der sich die junge Regisseurin Anna-Sophie Mahler ganz von der Feinarbeit leiten ließ, die das Stück in Komposition und Text vorlegt, und daraus ein ausgefeiltes psychologisches Kammerspiel entwickelte. Katrin Connan und Sophie Krayer lieferten den eindrucksvollen optischen Rahmen: hohe, kafkaesk anmutende, bis auf wenige Requisiten leere Bühnenäume, die sich durch den Einsatz der Maschinerie häufig verwandelten und damit bruchlose Übergänge innerhalb des pausenlos ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Gerhart Asche
Weil er im März des Jahres 1881 starb, hat Modest Mussorgsky die Gelegenheit knapp verpasst, Augen- und Ohrenzeuge des umfassend überarbeiteten Simon Boccanegra zu werden, mit dem Verdi im selben Jahr an der Mailänder Scala Triumphe feierte. Bedenkt man den Einfluss, den schon La forza del destino auf russische Komponisten ausgeübt hatte, so ist es reizvoll,...
54. Jahrgang, Nr 1
Opernwelt wird herausgegeben vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752251
Redaktion Opernwelt
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 7.12.2012
Redaktion:
Stephan Mösch (V. i. S. d. P.)
Albrecht Thiemann
Wiebke...
In ihrem Tagebuch notiert Cosima Wagner von den Ring-Proben 1876, dass den Kindern der erste Akt Siegfried am besten gefallen habe. Kinder wären auch die idealen Zuschauer für Achim Freyers am Puppenspiel und Kasperletheater orientierter Mannheimer Inszenierung. Für das Scherzo in Wagners Ring-Sinfonie vom Anfang und Ende der Welt verzichtet Freyer auf das optisch...
