CD des Monats: Der Barde
Weicher Streicherklang, ein Harfenarpeggio, dann hebt er zu singen an, der geistvolle Barde: «Blick’ ich umher in diesem edlen Kreise...» Dass Christian Gerhahers erste CD mit Opernarien ausgerechnet mit Wolframs Ansprache aus Wagners Tannhäuser beginnt, ist paradigmatisch. Liedhaft, über weite Strecken unbegleitet – was könnte die Qualitäten des Baritons besser zur Geltung bringen? Da wäre vor allem die Fähigkeit zu nennen, bei feinsinniger Ausdifferenzierung schier endlose Bögen aufzuspannen.
Selbst wenn eine Phrase endet, bleibt doch fühlbar, dass Gerhaher einen Bogen durch die ganze Arie sorgsam geplant hat. Wer ihn auf der Bühne erlebt hat, ahnt: auch darüber hinaus. Crescendi entwickeln sich aus einer schwelenden Intensität hinaus und sinken dorthin zurück. Selbst im Forte lässt Gerhaher den Hörer immer spüren, dass das noch nicht alles ist, er nicht alles (preis)gibt; da bleibt immer die Ahnung verborgener Möglichkeiten.
Darin liegt das Geheimnis seiner Präsenz, das verrät gestalterische Intelligenz – eine seltene Gabe. Über technische Perfektion und Klangfarbe scheint er dabei wie selbstverständlich zu verfügen, sie sind letztlich nur Mittel zum Zweck. Er vermittelt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Wiebke Roloff
Wagner ist anmaßend. Er beschäftigt Musiker, Regisseure, Wissenschaftler am laufenden Band. Grund dafür ist vor allem ein zwiespältiges Verhältnis zwischen Leben und Werk. Martin Geck macht in seinem neuen Wagner-Buch keinen Hehl daraus, dass es bei Wagner Ambivalenzen (um die er selbst wusste) und ungeklärte Spannungen zwischen Biografie und Opernœuvre gibt. Es...
Was die Festspiele in Bayreuth zum großen Jubiläum spielen, ist bekannt: vor allem einen neuen Ring (Kirill Petrenko, Frank Castorf); über die BF-Medien GmbH auch Wagners drei Frühwerke (in der Oberfrankenhalle). Was aber passiert sonst 2013 in Bayreuth? «Da steckt Wagner drin», lautet das Motto. Das Programm beginnt am 6. Januar mit einer von Mnozil Brass...
R egie: Katharina Wagner». Diese Ankündigung war noch zwei Tage vor der Premiere des «Colón Rings» im Buenos Aires Herald zu lesen, womit gewissermaßen noch einmal der Finger in die Wunde gelegt wurde.
48 Stunden Bedenkzeit hatte sich die Argentinierin Valentina Carrasco, Mitglied der Theatergruppe La Fura dels Baus, ausbedungen für ihre Entscheidung, die Regie des...
