Dämonische Koloraturen

Donizetti: Maria Stuarda London / Royal Opera House

Opernwelt - Logo

Schillers Historiendrama um die Schottenkönigin Maria Stuart lieferte Donizetti die Steilvorlage für einen der wohl besten Zickenkriege der Operngeschichte. Im berühmten Duell der Diven am Schluss des ersten Akts fliegen allerdings nur dann so richtig die Fetzen, wenn sich die Kontrahentinnen in puncto Stimmgewalt und Temperament einigermaßen ebenbürtig sind.

Womit bereits die erste Enttäuschung von Moshe Leisers und Patrice Cauriers insgesamt eher schwachbrüstigen Neuinszenierung der zweiten von Donizettis drei Tudor-Königinnenopern angesprochen wäre: die Besetzung der Partie der Elisabetta mit Carmen Giannattasio, die sich gerade auf den Weg vom lyrischen ins Spinto-Fach gemacht hat. Schon ihre erste Arie ließ erahnen, dass ihr das pyrotechnische Rüstzeug für das später geforderte vokale Feuerwerk nicht eben von der Natur in die Stimmbänder gelegt wurde. Angestrengte Läufe in der Cabaletta und ein allzu hitziger Wechsel ins Brustregister waren frühe Vorboten dafür, dass hier eine Stimme nicht mit der Inbrunst und dem Gefühlsüberschwang der Partie würde mithalten können.

Spätestens der Auftritt der Titelheldin in der zweiten Szene machte die Befürchtung zur Gewissheit: Joyce ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Edward Seckerson (Aus dem Englischen von Marc Staudacher)

Weitere Beiträge
«Für einen Clown geht es immer irgendwie weiter»

Herr Villazón, Sie singen viel, aber mittlerweile inszenieren auch Sie fast so viel wie hauptberufliche Regisseure. Wann haben Sie eigentlich die Zeit gefunden, das Buch zu schreiben? Zwischen zwei und vier Uhr morgens?
Zu Beginn des Prozesses nehme ich, wenn immer ich kann, hie und da ein, zwei Stunden Zeit zum Schreiben, später sind es oft ganze Tage am Stück. Ich...

Primadonne stupende

Die Sopranistin Simone Kermes und die Mezzosopranistinnen Joyce DiDonato, Anna Bonitatibus und Vivica Genaux sind heute Stars der internationalen Opernwelt. Auf drei CDs widmen sie sich jetzt dem Belcanto – jener Kunst, bei der die Mienen der Musikliebhaber schon seit über 300 Jahren in Verzückung geraten. Um 1600 gemeinsam mit der Oper entstanden, dominierte der...

Ausgebremst

Violetta und Alfredo fristeten ihr beschauliches Landleben vor den Toren von Paris sicher nur in relativer Bescheidenheit. In Tom Cairns’ unaufgeregter, dezent in die Gegenwart geholter «Traviata» leben sie üppig: Die Bühnen- und Kostümbildnerin Hildegard Bechtler bettete Verdis Schlüsselszene im zweiten Akt in eine malerisch bewaldete Parklandschaft in bester...