d'Albert: Tiefland
Ob man die melodramatische Mär von dem glücklichen Bergburschen Pedro, der ihm in einem Tal der Tränen zugeführten Marta und deren Peiniger, dem Großgrundbesitzer Sebastiano, nun als deutsche Variante des Verismo feiert oder als Flachrelief eines Wagner-Epigonen abkanzelt – «Tiefland» bietet jede Menge Stoff für zupackende Solisten und Dirigenten. Die harmonische Substanz und die motivische Bandbreite der Partitur mögen sich in Grenzen halten, doch die Art, wie Eugen d’Albert seine Mittel einsetzt und variiert, verrät ein immenses Gespür für bühnenpraktische Effizienz.
Deshalb rührt das «Reißer»-Image des Stücks nicht nur von seiner dem Publikum unmittelbar zugänglichen Verständlichkeit; auch unter Sängern erfreut sich das gut einhundert Jahre alte Opus wegen seiner suggestiv gefügten Partien ungebrochener Beliebtheit.
Und so war es bei der ersten «Tiefland»-Expedition der Deutschen Oper am Rhein seit 1964 auch vor allem der musikalische Teil, welcher – alles in allem – im Duisburger Haus überzeugte. Vorweg die von Hans Wallat mit sicherem Sinn für das Cinemascope-Flair der Orchesterfaktur operierenden Philharmoniker. Prägnant, bodenständig, geradeaus steckten sie das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Johannisnacht – mit dem nervösen Herzschlag der Pauken und unortbarem Summen zeichnet Philippe Boesmans in seiner Kammeroper «Julie» die subtile Spannung dieser Nacht der Lizenzen und der Triebe. Es darf geträumt werden, und Boesmans gönnt der Köchin Christine unterm Holderbaum ein melodisch fortziehendes Sehnsuchtsmotiv, das noch wiederholt durch die Instrumente...
Hätten Sie erraten, mit welcher Oper Cagliari zur Saisoneröffnung den Jahresregenten Mozart feiert? Unwahrscheinlich. Es ist eine italienische Erstaufführung: der «Chérubin» von Jules Massenet, uraufgeführt 1905 in der Opéra von Monte Carlo. Eine verdienstvolle Ausgrabung, zumal in einer so guten und witzigen Wiedergabe.
Es ist eine Mozart-Ehrung von hinten...
Puccini muss erst einmal warten. Denn um ihn ging es bei der Premiere des «Trittico» an der Deutschen Oper Berlin zunächst gar nicht. Im Vordergrund stand das gesellschaftliche Ereignis: So viel Prominenz aus Politik und Kultur findet sich in der Oper nur selten ein. Sogar der Bundespräsident hatte sich die Ehre gegeben. Es ging nicht zuletzt um die Frage, ob die...
