Commercial
Schon mit dem ersten Satz seines Kommentars zur Duett-Platte Rolando Villazóns und Ildar Abdrazakovs gelingt dem Autor die treffende Kritik: «Es ist nichts weniger als ein Gipfeltreffen dreier Operngrößen.
» Tatsächlich ist es nicht weniger als ein Commercial geworden: vielleicht die Erfüllung vertraglicher Vereinbarungen mit einem vom Gipfel abgestürzten Tenor; oder mit einem den Gipfel ersteigenden Bassisten; nicht zuletzt mit einem auf dem Gipfel angelangten Dirigenten, den das zum Werbeprospekt korrumpierte Beiheft so belobhudelt: «absoluter Superstar», der bald als Chefdirigent an der «legendären Metropolitan Opera, dem Sängertempel schlechthin», tätig sein wird. Yannick Nézet-Séguin passt sich der lingua blablativa an, wenn er sich mit dem Satz zitieren lässt, es habe im Duett aus Bizets «Les pêcheurs de perles» einen Moment gegeben, in dem «beide Stimmen auf einmal ganz golden waren». Goldglanz mag man in den Aufnahmen mit Enrico Caruso und Mario Ancona, Edmond Clément und Marcel Journet oder Alfredo Kraus und Sesto Bruscantini erleben, nicht aber beim Zusammenklang zwischen der in der Höhe überhell-engen Stimme des Tenors und der von der Textur her rauen Stimme des russischen Basses, der sich hier auf falsches Terrain begibt. ...
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Während die Musik gleich zu Beginn ins Taumeln gerät, entbirgt die Bühne ein Karussell, das überdies quasi ein Kind bekommt, ein Modell in verkleinertem Maßstab an der Rampe vorne links. Das Programmbuch hatte uns dazu unter anderem Rilkes «Jardin du Luxembourg» suggeriert. Wir könnten freilich auch Wiener Praterkolorit beschwören, H. C. Artmann etwa: «I bin a...
