Charlottes Traum
Es ist ein Rührstück, daran lässt Tatjana Gürbaca keinen Zweifel. Wenn Werther und Charlotte im vierten und letzten Akt doch noch zueinanderfinden, dies aber um den Preis von Werthers Leben und gewiss auch Charlottes Ehe geschieht, bleibt kein Auge trocken. Da öffnet sich die Bühne von Klaus Grünberg und gibt den Blick frei ins All – in jenen romantischen Sehnsuchtsraum, in dem die Liebe wohnt, wie sie Jules Massenet in seinen «Werther» auf Goethes Briefroman so herzergreifend schildert.
Schließlich erscheint auch ein süßes uraltes Paar, das sich noch einmal zärtlich begegnet: Wie schnell doch die Zeit vergeht.
Die Philharmonia Zürich, hervorragend vorbereitet und bestens motiviert, gibt an dieser Stelle noch einmal alles an Saft und Kraft, was Massenet niedergeschrieben hat. Dabei gelingt es dem Dirigenten Cornelius Meister, dem Instrumentalen die vom Komponisten geforderte sinfonische Präsenz zu sichern, ohne dabei die Singstimmen zu bedrängen oder die dynamische Kapazität des vergleichsweise kleinen Raums im Opernhaus Zürich zu strapazieren. Farben in ungewöhnlicher Vielfalt beleben das Geschehen, etwa jene des Saxofons, dessen Klang im ausgehenden 19. Jahrhundert neu war und ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Peter Hagmann
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