CD des Monats - Extrem nackt und unglaublich nah
Elektrisierende Streicher, dunkel murmelndes Klavier. Wind, der die Baumwipfel zaust, in rhythmischen Böen niederstreicht – so beginnt Ralph Vaughan Williams’ «On Wenlock Edge» zu Texten aus A. E. Housmans «A Shropshire Lad», uraufgeführt 1909. Dann sind da die Glocken in «Bredon Hill», schwingende Quinten, leichtfüßig durchschrittene Terzen, schließlich düstere Oktavschaukeln. Mancher Zeitgenosse hat Vaughan Williams diese Art «atmosphärischer Effekte» zum Vorwurf gemacht. Heute täte das wohl niemand mehr.
Vaughan Williams zählt zu den britischen Komponisten, die nach rund zweihundert Jahren Importkultur – Händel, Mendelssohn –, die Suche nach der nationalen musikalischen Identität entscheidend vorangetrieben haben. Mit zentralen Liederzyklen von Vaughan Williams und Peter Warlock hat Mark Padmore nach der fruchtbaren Auseinandersetzung mit Benjamin Britten und Gerald Finzi (siehe OW 1/2013) jetzt ein weiteres lohnendes Recital mit englischer Musik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorgelegt.
«Schön» ist sicher nicht das erste Attribut, mit dem man Padmores Gesang versehen würde. Denn die Schönheit opfert er dem packenden Zugriff auf das Wort. Wohlgerundet und volltönend? ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Wiebke Roloff
Die Mannheimer Uraufführung von Bernhard Sekles’ erster Oper «Schahrazade» dirigierte 1917 der 31-jährige Wilhelm Furtwängler. Fritz Stiedry spielte sie mit Lola Artôt de Padilla 1920 an der Berliner Staatsoper, Clemens Krauss 1921 in Frankfurt nach. Weitere Inszenierungen kamen in Aachen, Hamburg, München, Stuttgart, Düsseldorf, Duisburg, Wiesbaden, Lübeck und...
Lilith, die erste Frau Adams, aus Lehm geschaffen wie er und nicht aus seiner Rippe; die Unbotsame, die der Männer Macht – und damit auch die eines vermeintlich männlichen Gottes – zum Lachen findet. Lilith, die beim Sex immer oben liegen will und schließlich, verbannt, protestierend das Paradies verlässt, um sich im Dämonenreich umzutun. Lilith, das role model der...
Die letzten Dinge. Haben sie eine besondere Kraft, oder neigen wir dazu, sie ihnen anzudichten? Händel konnte die Uraufführung seines letzten originalen Oratoriums «Jephtha» im Februar 1752 nur noch mit Mühe dirigieren. «He breaks very much & I think he is quite blind in one eye», beobachtete der Gelehrte James Harris. Purcell hatte 1695 noch weniger Glück mit «The...
