Broschüren, die die Welt bedeuten (wollen)
Jetzt, wo sogar die Spielzeitvorschau der Berliner Lindenoper den Weg von der Druckerei in die Briefkästen gefunden hat, hüpfen die Augen wieder einmal vor Freude. Wie reich haben uns die Opernhäuser beschert! Nicht nur mit bunten Farben und ausgefallenen Papiersorten, sondern auch mit vielen «special effects» – grafische, versteht sich. Manche Broschüre scheint gar für eine Galerie moderner Kunst zu stehen. Erst im Anhang ist noch von ein paar Opernaufführungen die Rede.
Ob das Heft gut in der Hand liegt, ob das Layout den Blick aufs Wesentliche lenkt: Nebensache.
Die (Theater-)Welt als Wille und Darstellung. Da können Grafiker noch so oft vor der Bündelung mehrerer Arten der Hervorhebung warnen, weil (übrigens wie auf der Bühne) überzeichnete Effekte leicht verpuffen. Im Heft eines renommierten Hauses dennoch fette Großbuchstaben allüberall, vom Titelblatt bis zu jedem Stücktitel. Und vor allem: J E D E R B U C H S T A B E E I N Z E L N F E T T U N T E R S T R I C H E N.
Solche Extravaganzen und (im eigentlichen Wortsinn) schräge Versuchsanordnungen sind nicht unbedingt und in jedem Fall ein Problem der Grafik – ein «echter» Theatermann, eine «echte» Theaterfrau ist ...
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Opernwelt August 2017
Rubrik: Einspruch aus dem Elfenbeinturm, Seite 62
von Anselm Gerhard
Was kann, soll, muss Theater in schwierigen Zeiten leisten? Kann es im Spiel tatsächlich das kritische Bewusstsein erweitern, oder verspielt es eher seine Möglichkeiten, wie Peter Handke einmal meinte? Es war im legendären Jahr 1968, als der (damalige) Wahl-Grazer in «Theater heute» eben dieses spielerische Moment infrage stellte: Theater sei dermaßen bestimmt,...
Vor siebzig Jahren ging in der Aufbruchsstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg das erste Holland Festival über die Bühne. Das Gründungsfieber lag damals offenbar in der Luft, denn fast zeitgleich wurden auch die Festivals in Avignon (1947) und Aix-en-Provence (1948) ins Leben gerufen. Unter ihnen bietet das Holland Festival bis heute das breiteste Programm – in diesem...
Wie schwer ist es, auf dem Countertenor-Markt eine Nische zu finden?
Ich suche nicht nach einer Nische. Ich versuche, ich selbst zu sein. Und es klappt: Ich bin 40, habe schöne Angebote, muss auch nicht nur das Standardrepertoire singen. Mir geht es aber um anderes. Da ich zunächst Schauspieler war, ist Theater an sich für mich das Wichtigste, nicht irgendeine...
