Britten: Death in Venice
Eine Repertoire-Vorstellung. Dennoch lautstarker Beifall. Nun ist bei Hans-Jürgen Schöpflin von einer ganz und gar erfüllten Darstellung des Gustav Aschenbach zu sprechen. Sicher auch einer etwas untypischen, denn sein Aschenbach hadert nicht mit der Last des Alters, steht noch in besten Mannesjahren, was die «gesunde» Belcanto-Manier des Sängers unterstreicht. Die Krankheit zum Tode, die das Leben der Figur prägt, wird mehr durch eine subtile, nuancenreiche Darstellung manifest.
Man darf «Death in Venice» fraglos als Brittens künstlerisches Bekenntnis zu seiner Homosexualität ansehen, ein offizielles Coming-out gewissermaßen, als welches Thomas Mann Stoff und Titel liefernde Novelle sicher noch nicht verstanden wissen wollte. Manns innere Wahrheiten waren seinerzeit noch fest in den Tagebüchern verschlossen. Der Film von Luchino Visconti hat sie mit Mahler-Musik für ein breites Publikum aufbereitet. Brittens Oper bleibt insgesamt nüchterner, als wolle er einer autobiografisch motivierten Intimität doch noch einen Riegel vorschieben. In den Figuren von Dionysos und Apollo ist gleichwohl, ähnlich wie in Henzes «Bassariden» (und schon in Wagners «Tannhäuser»), die scheinbare ...
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