Bleierne Zeit
Es ist ein Ort der bleiernen Zeit, den die Ausstatterin Esther Bialas für Yuval Sharons Inszenierung von Peter Eötvos’ «Tri sestri» auf die Bühne der Wiener Staatsoper gebaut hat. Ein Salon, von entkräftetem Kerzenlicht beleuchtet, in dem die Stunden auf Zehenspitzen vorbeischleichen und die Tage wie Kugeln mit mattem Klang eintönig in weite, leere Gefäße fallen. Panta rhei, alles fließt, andauernd und wie in Zeitlupe – hier in Wien auch Menschen und Interieur, meist von links nach rechts. Melancholie auf dem Laufband.
Drei Schwestern auf der Suche nach der verlorenen Zeit. In einer kleinen Garnisonsstadt gestrandet, hoffen sie vergeblich auf die Heimkehr ins geliebte Moskau. Auch private Erfüllung ist ihnen nicht beschieden. Irina (die in Erscheinung und Sopran aparte Aida Garifullina) würde den Offizier Tusenbach heiraten, der freilich vorher im Duell mit seinem Nebenbuhler Soljony den Tod findet. Olga (fragil, streng und mit samtenem Alt: Ilseyar Khayrullova) fühlt sich zur Ehe- und Hausfrau berufen, wird jedoch unvermählt in den Lehrberuf abgedrängt. Und Mascha (Margarita Gritskova, ein wenig an Morticia Addams erinnernd, mit silbernem Mezzo) möchte ihr traniges Eheleben mit ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Gerhard Persché
Neue Musik – nur was für Extremisten, Freaks und Intellektuelle? Noch immer ist das Vorurteil weitverbreitet, doch in der Praxis haben die Aufräumarbeiten längst begonnen. Berührungsängste schwinden. Selbst Dominique Meyer, Chef der in puncto Zeitgenössisches eher verschnarchten Wiener Staatsoper, verordnet seinem Publikum mit Nachdruck neue Töne – und landet mit...
Die Idee zu einem Album mit Arien, die Georg Friedrich Händel für seine Londoner Primadonna Francesca Cuzzoni komponierte, ist nicht neu. Lisa Saffer und Nicholas McGegan waren 1991 wohl die Ersten, die eine solche Ariensammlung vorlegten, 2009 folgte Simone Kermes, begleitet von der Lautten Compagney unter Wolfgang Katschner. Jetzt begibt sich die...
Als der Jazzpianist Keith Jarrett Ende der 1980er-Jahre Bach aufzunehmen begann, zeugte sein Spiel von einer Haltung unbedingter Reverenz. Wie einem heiligen Monument schien er sich dem «Wohltemperierten Klavier» oder den «Goldberg-Variationen» zu nähern. Mit der dem Augenblick abgerungenen Freiheit, die Jarrett in seinen Soloimprovisationen zelebrierte, hatte das...
