Bildwitz und Klangduft
Pech für den Intendanten und Regisseur. Obwohl er mit einem Mikrofon ausgestattet den Vorhang teilt – wir verstehen kein Wort von ihm. Die Vertreter des Publikums, die «Tragischen» und die «Komischen», die «Lyrischen» und die «Hohlköpfe», die ihn aus den Proszeniumslogen chorisch bedrängen, übertönen den Hausherrn locker. Doch keine Bange, Marc Adam verschafft sich quasi durch seine Arbeit nachdrücklich Gehör. Sein Gagstart zur «Liebe zu den drei Orangen» dürfte auch lokalpolitischen Hintersinn haben.
Seine dann folgende, bilderreiche Berner Einrichtung von Prokofjews Opernmärchen nach Carlo Gozzi bewegt sich in der Inszenierungstradition. Aber darin bewegt sie sich gewandt, alert, mit Witz und Ironie. Nur, dass Adam es mit den sexuellen Anspielungen ein wenig übertreibt. Noch die Sandhügel in Johannes Leiackers Wüste ähneln auffallend weiblichen Brüsten.
Der malade Jammerprinz, von der Hexe Fata Morgana zur Suche nach den Orangen verdonnert, bricht stante pede und samt seinem Krankenbett dorthin auf. Eine große Drehtür, die samt einem weinroten Theatervorhang die Sandlandschaft bis dato verdeckt hatte, bleibt. Das ist nicht der einzige Bildwitz. Wie auch Eva Desseckers ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Heinz W. Koch
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