Bildwitz und Klangduft
Pech für den Intendanten und Regisseur. Obwohl er mit einem Mikrofon ausgestattet den Vorhang teilt – wir verstehen kein Wort von ihm. Die Vertreter des Publikums, die «Tragischen» und die «Komischen», die «Lyrischen» und die «Hohlköpfe», die ihn aus den Proszeniumslogen chorisch bedrängen, übertönen den Hausherrn locker. Doch keine Bange, Marc Adam verschafft sich quasi durch seine Arbeit nachdrücklich Gehör. Sein Gagstart zur «Liebe zu den drei Orangen» dürfte auch lokalpolitischen Hintersinn haben.
Seine dann folgende, bilderreiche Berner Einrichtung von Prokofjews Opernmärchen nach Carlo Gozzi bewegt sich in der Inszenierungstradition. Aber darin bewegt sie sich gewandt, alert, mit Witz und Ironie. Nur, dass Adam es mit den sexuellen Anspielungen ein wenig übertreibt. Noch die Sandhügel in Johannes Leiackers Wüste ähneln auffallend weiblichen Brüsten.
Der malade Jammerprinz, von der Hexe Fata Morgana zur Suche nach den Orangen verdonnert, bricht stante pede und samt seinem Krankenbett dorthin auf. Eine große Drehtür, die samt einem weinroten Theatervorhang die Sandlandschaft bis dato verdeckt hatte, bleibt. Das ist nicht der einzige Bildwitz. Wie auch Eva Desseckers ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Heinz W. Koch
Auf leerer Bühne treibt eine Insel in den charakteristischen Formen der Schweiz ziellos über den See, während im Hintergrund eine Europa-Karte funkelt: Das Schlussbild der Zürcher Neuproduktion von Rossinis «Guillaume Tell» fasst aktuelle Probleme der Schweizer Befindlichkeit in ein prägnantes Bild. In Adrian Marthalers Inszenierung sind die mythischen Ereignisse...
Herr Goerne, Ihr neues Schubert-Album hat den Titel «Nacht und Träume». Wovon träumen Sie?
Ich träume nur sehr selten. Und nie von Musik – weder im Positiven noch als Stresssituation.
Schubert war ja eigentlich ein Tagmensch und hat am liebsten morgens komponiert. Was bedeutet in seinen Liedern die Nacht?
Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal bezeichnet sie die...
Dmitri Schostakowitschs Frühwerk «Die Nase» – eine Oper nur für große Häuser? Der 1930 uraufgeführte Dreiakter vereint mehr als 80 (meist kurze) Solorollen und bis zu zehn Schlagzeuger im Graben. «Die Nase» ist eine jener Orchideen im Spielplan, die bei ihrem seltenen Erblühen von Kritik und Publikum meist das Siegel «Warum spielt man das nicht öfter?» erhalten....
