Bestürzend aktuell

Die «Trovatore»-Inszenierung von Àlex Ollé, soeben in Paris zu sehen, zeigt, wohin ein Krieg die Menschen bringen kann

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Unter Verdis Opern der mittleren Periode, die mit dem Erfolgsstück «Rigoletto» 1851 beginnt und elf Jahre später mit der Uraufführung von «La forza del destino» endet, nimmt «Il trovatore» schon allein deswegen eine Sonderstellung ein, weil zwischen dem Drama, auf dem dieses Bühnenwerk fußt, und dem Libretto, das ihm zugrunde liegt, eine eklatante Lücke klafft.

Während Antonio García Gutiérrez – dessen schaurig-romantisches Schauspiel «Símon Bocanegra» 1857 als Vorlage für das gleichnamige Verdi’sche Melodramma dienen wird – den (mittelalterlichen) bürgerkriegsähnlichen Konflikt zwischen zwei Adelshäusern als Folie und Hintergrund für eine persönliche Tragödie wählt (also im Grunde ein sehr ähnliches Sujet wählt wie im «Bocanegra»), entscheidet sich Verdis damaliger Librettist Salvatore Cammarano – er wirkte in dieser Funktion zuvor schon bei den Opern «Alzira», «La battaglia di Legnano» und «Luisa Miller» –, als er den Stoff in die Finger kriegt, für eine radikale Reduktion. Man könnte auch sagen: Er schnipselt so lange an Gutiérrez’ Drama herum, bis nur noch ein seltsam blutleeres, musikdramaturgisch zumindest in Teilen zweifelhaftes Gebilde übrigbleibt – ein Stück (fast) ohne ...

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Opernwelt März 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Jürgen Otten

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