Komm, Hoffnung...

Mit «Fidelio» ist Beethoven nie wirklich fertig geworden. In Wien stellte die Staatsoper die Erstfassung von 1805 zur Diskussion, das Theater an der Wien legte die überarbeitete Version aus dem Jahr 1806 nach

«Mir graut vor meinem Schatten», schrieb Arno Holz. Grauen, Angst vor etwas, das nicht weicht, an uns klebt und gelegentlich überholt. Angst vor dem Unwägbaren, das uns sogar veranlasst, den Grundtrieb des zoon politikon, des Gemeinschaftswesens, zumindest zeitweise zu verleugnen. Und dazu bringt, uns zu vereinzeln – etwa Opernaufführungen allein vor dem Fernseh- oder Computerschirm verfolgen zu müssen. Wie im Falle des «Fidelio» aus dem zum Fernsehstudio umfunktionierten Theater an der Wien.

Denn es war keine übliche Premiere, vielmehr die Rettung einer Aufführung durch TV-Kameras angesichts der restriktiven Maßnahmen zur versuchten Einhegung der Corona-Epidemie. Die Ausstrahlung des ORF erreichte 376 000 Zuschauer. Es war wohl das erste Mal an diesem Haus, dass eine Neuproduktion ausschließlich digital vermittelt wurde. Und für die nächste Zeit wohl auch das letzte Mal. Zumindest in Wien.

Dunkel der Beginn. Kurz blitzen Taschenlampen auf. Ein Mann wird eine Treppe hinuntergeworfen, rollt nahe an den Ochestergraben. Ins Blackout hinein hebt Manfred Honeck den Stab zur dritten Leonore-Ouvertüre, die Ludwig van Beethoven der hier gespielten zweiten Fassung seines «Fidelio» aus dem ...

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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard Persché