Barocke Gegenwelten
Der eine hatte die Stars, der andere das Können. Arg verkürzt ist das formuliert, birgt aber zwei, drei Körnchen Wahrheit. Nachdem Nicola Antonio Porpora das London der 1730er-Jahre betreten hatte, sorgte er für einen Spielertransfer und einen Aderlass. Senesino und Farinelli spektakelten fortan in seiner Truppe, Konkurrent Georg Friedrich Händel hatte das Nachsehen. Noch stärker entwickelte sich beider Opernkunst auseinander.
Bei den Salzburger Pfingstfestspielen war nun zu bestaunen, wie: Während Porpora stimmkundig und hemmungslos für die Barockauslage der Superstars schrieb, verfeinerte Händel seine Figurendramaturgie, die Mozart’schen Tiefgang, diese wissende Wahrhaftigkeit vorwegnahm.
Dabei hatte Cecilia Bartoli, die ihren Vertrag als künstlerische Leiterin gerade bis 2026 verlängert hat, eine andere Programmatik im Sinn. Um Kastraten, ihren Ruhm und ihren Missbrauch sollte es im diesjährigen Durchgang gehen, was in einer vierstündigen Konzert-Hitparade mit Gästen aus dem Counter-, Mezzo- und Sopranfach gipfelte. Weit spannender aber war die Opern-Konfrontation: Porporas «Polifemo» und Händels «Alcina» innerhalb von 24 Stunden, beide von einer tobenden Gala-Gemeinde ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Markus Thiel
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