Banküberfall mit Folgen
Die Idee leuchtet ein: Da Wagner zur Entstehungszeit seines «Tannhäuser» mit den Gedanken des Anarchismus mehr als nur liebäugelte, überträgt Tobias Kratzer in seiner Bremer Inszenierung des Werks diese Idee auf den Venusberg. Woraus sich zunächst einige spannende Szenen entwickeln. Etwa die eines Banküberfalls, dessen Dramatik sich genau dem Erregungsgrad des Bacchanals (gespielt wird die Pariser Fassung) anpasst.
Im weiteren Verlauf entpuppen sich die als Clowns maskierten Täter als Venus und Tannhäuser, beide sind Mitglieder einer anarchistischen Kommune, die Tannhäuser am Ende der Szene fluchtartig verlässt, während Venus und ein weiterer Mittäter von einem bewaffneten Einsatzkommando der Polizei verhaftet werden.
Im zweiten Akt – den Sängerkrieg deutet der Regisseur zu einem modernen Gesangswettbewerb um – ergeben sich dann aber doch einige Durchhänger. Nicht nur während langer Passagen regielich belanglosen Rampensingens fragt man sich, worin denn nun der weltanschauliche Gegenpol zum Anarchismus bestehen mag, für den die geschniegelten Damen und Herren in Abendkleidung stehen. Zwar ist immer wieder von «Glauben», von «reinem Glauben» die Rede, aber das nimmt man dieser ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhart Asche
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