Banküberfall mit Folgen
Die Idee leuchtet ein: Da Wagner zur Entstehungszeit seines «Tannhäuser» mit den Gedanken des Anarchismus mehr als nur liebäugelte, überträgt Tobias Kratzer in seiner Bremer Inszenierung des Werks diese Idee auf den Venusberg. Woraus sich zunächst einige spannende Szenen entwickeln. Etwa die eines Banküberfalls, dessen Dramatik sich genau dem Erregungsgrad des Bacchanals (gespielt wird die Pariser Fassung) anpasst.
Im weiteren Verlauf entpuppen sich die als Clowns maskierten Täter als Venus und Tannhäuser, beide sind Mitglieder einer anarchistischen Kommune, die Tannhäuser am Ende der Szene fluchtartig verlässt, während Venus und ein weiterer Mittäter von einem bewaffneten Einsatzkommando der Polizei verhaftet werden.
Im zweiten Akt – den Sängerkrieg deutet der Regisseur zu einem modernen Gesangswettbewerb um – ergeben sich dann aber doch einige Durchhänger. Nicht nur während langer Passagen regielich belanglosen Rampensingens fragt man sich, worin denn nun der weltanschauliche Gegenpol zum Anarchismus bestehen mag, für den die geschniegelten Damen und Herren in Abendkleidung stehen. Zwar ist immer wieder von «Glauben», von «reinem Glauben» die Rede, aber das nimmt man dieser ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhart Asche
Seit seiner Uraufführung an der New Yorker Metropolitan Opera im Dezember 1918 hat Puccinis Triptychon gemischte Reaktionen hervorgerufen. Nach der erfolgreichen Premiere wurden die Drillinge getrennt: «Gianni Schicchi», ursprünglich der heitere dritte Akt des Ganzen und als solcher gleichsam eine bombensichere Nummer, gedieh auch allein prächtig, während «Il...
Unmittelbar nach der legendären Mailänder Wiederbelebung von Donizettis «Anna Bolena» durch Luchino Visconti und Maria Callas gab es im Oktober 1957 in New York eine konzertante Aufführung mit Gloria Davy und Giulietta Simionato. Seitdem stand das Stück immer wieder einmal auf dem Programm. 1966 nahm es die American Opera Society mit Elena Suliotis, Marilyn Horne,...
Dieses Heft berichtet, unter anderem, vom Spielzeitauftakt zwischen Berlin, London und New York. Und es schließt – das freut uns, war aber nicht vorherzusehen – an viele Aspekte an, die im Jahrbuch «Oper 2011» dominierten. Zunächst setzt sich einfach eine Tendenz fort: Köln und Frankfurt, derzeit die mutigsten und ideenreichsten Opernhäuser in Deutschland, wagen...
