Banalität des Bösen
Auf der Webseite der Amsterdamer Oper verspricht der PR-Trailer für «Macbeth» ein grausames, blutiges Spektakel. Tatsächlich aber fließt auf der großen Bühne am Waterlooplein in Andrea Breths Deutung von Verdis furioser Shakespeare-Adaption nicht ein einziger Tropfen Theaterblut – das Bestialische des Mordreigens wird in Amsterdam systematisch ausgeblendet. Lediglich in der Bankettszene türmen sich statt edler Spezereien rohe Fleischberge aus dem Schlachthaus auf dem Tisch. Womöglich soll dies ein – wenig subtiles – Bild sein für eine Mahnung aus dem Unbewussten.
Oder die verdrängte Realität verdeckter Gewalt? Doch das Fleisch bleibt unberührt, die Messer bleiben blank. Und wenn Banco um die Ecke gebracht wird, geschieht das nach der Art osteuropäischer Auftragskiller: schnell, sauber und mit schallgedämpfter Magnum, nahezu lautlos bis auf ein zartes «kffffh». So geht das heute in den Zentren der Machtkämpfe, will uns die Regisseurin wohl sagen.
Andrea Breth, die Hohepriesterin der Werktreue, hat sich von ihrem Bühnenbildner Martin Zehetgruber auch die schwarzen Wände der Privatgemächer des mörderischen Ehepaares mit wattiertem Stoff auspolstern lassen, damit kein Laut heraus- und ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Regine Müller
Nichts gegen Kontinuität! Als Cathérine Miville vor 13 Jahren von dem nach Erfurt wechselnden Guy Montavon die Gießener Intendantenstaffel übernahm, wurde das kleine Haus in Mittelhessen kaum einmal überregional wahrgenommen. Das hat sich allmählich, aber auffällig und in der Summe heftig geändert. Nun gibt es, vor allem in der Oper, eine Fülle von Produktionen,...
Es habe keinen Tag gegeben, so hat Marcel Prawy erzählt, an dem es nicht in ihm gesungen hätte: «Glück, das mir verblieb». Und immer habe er dabei die Stimmen von Maria Jeritza und Lotte Lehmann gehört, die im Palast seiner Erinnerungen fortlebten wie die Marie in der von ihrem Witwer Paul für sie errichteten «Kirche des Gewesenen». In der Hamburger Aufführung von...
Tannhäuser». Wieder einmal. Das Stück scheint dazu angetan, Befindlichkeiten aller Art zu verletzen. In Bayreuth empörte Sebastian Baumgartens Biogasanlage. An der Rheinoper in Düsseldorf brachte Burkhard C. Kosminski mit plakativen Gaskammer- und Erschießungsszenen das Publikum gegen sich auf; Intendant Christoph Meyer knickte ein und stieg auf konzertante...
