Ausweglos
Als «tragisch-satirische Oper» hat Schostakowitsch «Lady Macbeth von Mzensk» bezeichnet. Für die kaltblütige Mörderin bekannte er sogar «Sympathie», während er bestrebt gewesen sei, den sie «umgebenden Lebensverhältnissen einen finster-satirischen Charakter zu verleihen» – eine Selbstexplikation, die nicht dadurch ins Recht gesetzt wird, dass Stalin die musikalisch grell überdrehte Groteske 1936, zwei Jahre nach ihrer Uraufführung, als «wirr und absolut unpolitisch» inkriminieren ließ.
In der Frankfurter Neuinszenierung impliziert Regisseur Anselm Weber eine doppelbödige Sicht, die den Blick auf beide Extreme schärft. Kaspar Glarner hat einen betongrauen, trichterförmigen Raum gebaut, mit einem aus dem Schnürboden hängenden überdimensionalen Vogelbauer als Liebes-Lotterbett – ein auswegloses Gefängnis, aus dem die frustrierte Katerina sich mittels einer VR-Brille in eine virtuelle Realität hinausträumt. Die Choristen tragen Strahlen-Schutzanzüge. Folkloristisches ist weitgehend ausgespart und schlägt nur am Rand durch – in der Figur des als Transvestit sich in Damenreizwäsche entblätternden Popen, der Hochzeitsfeier, der Polizei. Alle Beziehungen beruhen auf der Verbindung von ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Uwe Schweikert
Der Titel der letzten Essaysammlung bringt Hans Zenders philosophisches Credo auf den Punkt: «Mehrstimmiges Denken» (Verlag Karl Alber). Musik war für diesen Anwalt einer Moderne, die Fortschritt in der kreativen Auseinandersetzung mit dem Überlieferten sucht, ein offenes Medium, das gleichermaßen Geist und Sinne, Reflexion und Erfahrung, Analyse und Intuition...
Vorbei die Zeiten, als das Publikum in die Oper strömte, weil der Besuch bei Mozart, Verdi, Wagner & Co. zum guten Ton des gesellschaftlichen Lebens gehörte. Die Stammkundschaft ist überaltert, der Nachwuchs macht sich rar. Was tun? Um diese Frage ging es in der dritten Runde der «Opernwelt-Dialoge» an der Oper Dortmund. Auf dem Podium (v. l.): Holger Noltze,...
Forschend blickt Christian Gerhaher auf dem Cover dem Betrachter ins Auge, an einen aufmerksamen Psychiater gemahnend. Wer könnte der Patient sein? Robert Schumann selbst? Clara? Wohl sind die «Myrthen», op. 25, die der Komponist seiner geliebten Braut 1840 am Vorabend der Hochzeit metaphorisch ins Haar wand, «eines der schönsten je einem liebend geliebten...
